Es ist eigentlich ganz klar, aber es muss immer wieder gesagt werden, weil wir das gerne vergessen (ich nicht ausgenommen): Das größte Problem bei der Kommunikation sind die automatisierten Abkürzungen und Zuordnungen, die in unserem inneren Ablaufen, während wir etwas hören oder lesen.
Unser Gehirn ist Meister im Optimieren. Unser Bewusstsein ist durchzogen von Abkürzungen und Zuordnungen, wir sind ein wandelnder Thesaurus. Sobald ein anderer Mensch einen Begriff sagt oder wir ihn lesen, fängt unser Gehirn sofort an, nach dem Begriff zu wühlen und die gespeicherte Interpretation abzurufen. Unser Gehirn setzt aus den eingehenden Informationen sofort ein Bild zusammen und ergänzt es stets mit den Bildteilen, die es selbst für relevant und passend hält. Wir sind darin sehr gut und diese Funktion des Gehirns ist überlebenswichtig. Denn wir wären völlig überfordert, wenn wir jeden Begriff und jede Situation bewusst analysieren und uns die in diesem speziellen Zusammenhang richtige Bedeutung jedes Mal neu erarbeiten müssten.
Aber die Funktion hat ihre Schattenseite.
Weil jeder Mensch diese Bibliothek an Abkürzungen und Zuordnungen unabhängig vom anderen nur für sich anlegt, führt ihre Benutzung ab und an zu Fehlschlüssen.
Probieren wir es aus:
Zwei Männer stehen am Ufer des Rheins und wollen auf die andere Seite. Es gibt ein Boot, aber da passt jeweils nur ein Mann hinein. Beide setzen also über den Fluss und gehen ihres Weges.
Wie kann das sein? Zwei Männer, ein Einzel-Boot? Trotzdem setzen beide über den Fluss?
Wer ein wenig nachdenkt, wird auf die Lösung kommen: In der Geschichte ist keine Rede davon, dass die beiden Männer auf der selben Seite es Rheins stehen. Der eine steht hier, der andere drüben und wenn der eine mit dem Boot rüber paddelt, kann der andere das Boot nehmen und zurück paddeln – und jeder geht seines Weges.
Die Annahme, dass beide nebeneinander am selben Ufer stehen, hat unser Gehirn mangels expliziter Information auf Grund von Wahrscheinlichkeit und eigener Erfahrung getroffen. Aber genau diese automatische Zuordnung führte uns gerade in die Sackgasse.
Genauso ist es, wenn ich etwas sage oder schreibe: Ich weiß ganz genau, was ich damit meine – aber versteht der andere dasselbe unter diese Begriff? Hat er dieselben Verknüpfungen und Abkürzungen im Gehirn wie ich? Wir können getrost davon ausgehen, mit „nein“ meistens einen Treffer zu landen. Wenn wir etwas sagen, poppen im Anderen mit hoher Wahrscheinlichkeit andere Gefühle und Assoziationen auf, vielleicht sogar ein komplett anderes Verständnis des Gesagten.
Wie können wir damit umgehen? Es sind eigentlich zwei relaltiv simple Regeln:
- Ich als Sender muss darauf achten, genug Informationen mitzuliefern, damit meine Botschaft klar wird. „Wir treffen uns an der Bank!“ könnte vielleicht im Frust enden, weil der eine im Park wartet, der andere am Geldautomaten. Je wichtiger das ist, was ich transportieren möchte, desto genauer sollte die Beschreibung dessen sein, was ich sagen möchte. Vertraut nicht darauf, dass der andere schon das selbe darunter versteht wie ihr.
- Als Empfänger kann ich ebenfalls etwas tun: Ich kann überlegen, ob die Assoziationen, die mir mein Gehirn freundlicherweise zurecht gelegt hat, wirklich in dieser Situation stimmen. Besonders, wenn der Verlauf eines Gesprächs zunehmend seltsamer wird und ich schon anfange, mich über den anderen aufzuregen – eventuell ist der andere gar nicht so blöd. Vielleicht habe ich ihn nur falsch verstanden?
Das sind alles Basics, die von jedem beherrscht werden sollten. Da ich mir das aber grade mal wieder selbst sagen muss, dachte ich, ich sag’s auch noch mal für alle 🙂
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