Ehebruch ohne Sex? Die (falsche) Angst vor außerehelicher Vertrautheit 33

Eine Predigt warnt davor, Freundschaften zwischen Frauen und Männern tiefer werden zu lassen als die Beziehung zum eigenen (Ehe-)Partner. Doch das ist falsch. Am Ende schadet die Angst den Freundschaften und der Ehe.

Sex und Betrug – der Stoff, zu dem man sich entweder auf dem Sofa lümmelnd genüßlich die Erdnüsse rein pfeift – oder eben das ganz reale Leben.

Mitte Oktober tauchte in den Sozialen Medien das Video einer Predigt aus der ICF München auf, einer bei jungen Christen ziemlich angesagten Freikirche. Die Predigt geht um zwei Menschen mit einer Affäre und ihre Entscheidung, ihre jeweiligen Ehen zu beenden, um fortan miteinander zu leben. Nur in diesem Fall ist es kein theoretisches Beispiel oder die Nacherzählung eines Hollywood-Schinkens, sondern eine ganz konkrete Situation unter zwei festangestellten Mitarbeitern der Gemeinde.

Die Predigt wird unter dem Youtube-Video und in Blogs hoch gelobt. Pastor Tobi Teichen legt in der Predigt die Situation offen, spricht über den aus seiner Sicht richtigen Umgang damit und verliert auch einige Worte über die Ehe selbst. Tobi bringt einige gute Aspekte, zum Beispiel, dass es nicht an uns liegt, mit Steinen zu werfen und das wir Jesus in den Mittelpunkt einer Krise stellen sollen, um Vergebung zu lernen. Spitze! Doch das generelle Bild, dass die Predigt von einer guten Beziehung zeichnet, das hat mich ziemlich betroffen gemacht.

Ich habe lange gezögert, etwas dazu zu schreiben. Mein Anliegen ist nicht ICF-Bashing und vermutlich war einfach einiges in der Predigt nicht ganz durchdacht oder durchformuliert (obwohl das bei ICF-Predigten unwahrscheinlich ist 😉). Aber die Predigt steht öffentlich im Internet und ich glaube, einige Punkte aus dieser Predigt sollten so nicht unkommentiert stehen bleiben. Schließlich sehen Menschen diese Predigt und richten sich womöglich danach. Aber ich sehe Ehe anders – und ich hoffe, viele andere von euch auch. Bisher ist mir keine Debatte über die Punkte aus der Predigt bewusst – aber die wäre nötig. Vielleicht kann ich sie hiermit anstoßen.

Anmerkung I: Es soll hier nicht um den Umgang der Gemeinde mit der Situation gehen – sie hat die Sache inklusive der Namen öffentlich gemacht und die beiden von ihren Aufgaben entbunden, ihre Jobs dürften sie los sein und ihren Ruf in der christlichen Szene auch. Auch wenn mich die Reaktion verwundert zurücklässt: Ich weiß nichts über die Vorgänge und die Hintergründe und es steht mir schon deshalb nicht zu, das zu bewerten. (Aber wenigstens die Namen sollte man vielleicht rauspiepen, liebe ICF…)

Anmerkung II: Ich verwende „Beziehung“ und „Ehe“ hier als Synonyme. Schließlich gilt das Gesagte für Beziehungen mit Trauschein genauso wie für Beziehungen ohne.

Was mich umtreibt sind die folgenden generellen Aussagen über Beziehungen, die Menschen in der Predigt nahegelegt werden. Über sie sollten wir dringend reden, weil sie vielleicht fromm klingen. In Wirklichkeit aber können sie Beziehungen zerstören.

Minute 19:44: „Die Ehe kann körperlich, seelisch und geistlich gebrochen werden.“

„Ein Ehebund, den Gott meint, besteht aus Körper, Seele und Geist. Du kannst die Ehe sexuell brechen, du kannst sie seelisch brechen, indem du mit einem Menschen des anderen Geschlechts eine tiefere Freundschaft hast als mit deinem Ehepartner. Und du kannst sie geistlich brechen, indem du mit einem Menschen des anderen Geschlechts eine intensivere geistliche Beziehung hast als mit deinem Partner.“ – Tobi Teichen

Natürlich – es ist möglich, eine Beziehung durch Sex mit jemand anderem zu brechen. Da die meisten von uns dem Konzept der Monogamie anhängen dürften ist die unausgesprochene Übereinkunft und Erwartung aneinander: Kein Eros außerhalb der Beziehung. Wird dieser Erwartung nicht entsprochen, fühlen wir uns (dann auch zurecht) betrogen.

Eine körperliche Grenzüberschreitung ist auch vergleichsweise genau nachvollziehbar, obschon der Graubereich groß ist: Für die einen sind zärtliche Berührungen unter guten Freunden ganz selbstverständlich, für die anderen ist das ein absolutes Tabu. Für die einen ist der Saunabesuch mit anderen als dem eigenen Partner völlig normal, für andere ist er undenkbar. Doch für die meisten ist spätestens ab dem Kuss Schluss mit der Toleranz.

Viel schwieriger – ja, eigentlich gar nicht – messbar ist jedoch der Grad der Annäherung auf seelischer oder geistlicher Ebene. Ist meine Freundschaft mit meiner Arbeitskollegin oder Sportpartnerin tiefer als mit meiner Frau? Habe ich eine tiefere geistliche Beziehung mit meinem Seelsorger als mit meinem Mann? Diese Fragen können nie beantwortet werden, weil sowohl Kriterien als auch Messwerkzeuge fehlen. Gerade das ist aber heikel: Denn wenn man es trotzdem versucht (oder es in einer Predigt regelrecht fordert), dann hat das fast zwangsläufig zwei Folgen:

Folge 1: Angst und Eifersucht – christlich legitimiert

Einerseits führt es zu einer permanenten latenten Angst (oder zumindest Sorge), wir könnten diese ominöse Grenze überschreiten. Wir fürchten unterschwellig ständig, dass unsere Beziehungen zu anderen Menschen seelisch oder geistlich enger werden könnten als die zu unserem Partner und gehen deshalb automatisch in eine Hab-Acht-Stellung, um es ja nicht dazu kommen zu lassen. Das ist besonders dann schwierig, wenn die Beziehung zum eigenen Partner gar nicht in allen Bereichen so tief ist. Und bei den wenigsten Paaren dürfte das der Fall sein. Welches Paar teilt schon alle Hobbys, Interessen und den beruflichen Alltag vollständig?

Gleichzeitig – und das ist noch viel destruktiver – führt es dazu, dass wir anderweitige Kontakte unseres Partners immer ein bisschen kritisch beäugen und Vergleiche anstellen: „Wie nah sie sich mit XY ist – so gut verstehen wir uns aber nicht.“ „Er will schon wieder zu AB, was findet er nur an ihr? Ist da mehr?“ Wenn man eine Grenze aufbaut, dann schielt man eben auch schon auf die Näherungen an sie. Im Grunde ist das Ganze nichts anderes als ein Aufruf zu christlich verbrämter Eifersucht.

Angst und Eifersucht aber sind Gift für Beziehungen – sowohl für die Partnerschaft als auch für unsere Freundschaften. Was macht es mit unseren Beziehungen zu Menschen jenseits unserer Partnerschaft, wenn wir ständig darauf bedacht sind, nicht zu eng miteinander zu werden, nicht zu vertrauensvoll, nicht zu tief? Wenn wir uns ständig ein schlechtes Gewissen machen, wenn wir merken, eine Beziehung zu einer anderen Person als unserem Partner wird tief, persönlich, seelisch intim?

Und wenn wir dazu stets leicht argwöhnisch darüber wachen, mit wem unser Partner Zeit verbringt und mit wem er ein wie intensives Verhältnis hat? Das macht es schwierig, gute und gesunde Beziehungen zu anderen Menschen des anderen Geschlechts aufzubauen.

Wir brauchen gute Beziehungen

Und wie sehr brauchen wir gute Beziehungen! Wir sind soziale Wesen, wir sind uns nicht selbst genug (oder sollten es zumindest nicht sein). Niemand von uns ist alleine vollständig. Wir brauchen gute Beziehungen zu anderen Menschen – auch gegengeschlechtliche. Schließlich sind wir als Männer und Frauen auf Ergänzung angelegt. Es ist so wichtig für uns, als Freunde miteinander zu lachen und zu weinen, voneinander zu lernen, einander nahe zu sein, einander zu tragen, einander zu vertrauen, sich geliebt zu wissen und gemeinsam die Welt zu bewegen! Nur so können wir aufblühen und das voll entfalten, was Gott in uns angelegt hat. Wir brauchen Andere als Gegenüber. Und: Das kann kein Mensch alleine leisten. Vielmehr glaube ich, viele der Probleme zwischen Männern und Frauen rühren daher, dass Männer und Frauen zu oft enge Freundschaften nur jeweils unter Ihresgleichen haben. Das verstärkt die Polarität, das verhindert allzuoft, ein Verständnis für die Andersartigkeit – aber auch für die Gemeinsamkeiten – der Geschlechter zu entwickeln.

Folge 2: Being Super(wo)man

Und damit kommen wir zur zweiten Folge: Es setzt Beziehungen unter einen enormen Druck. Denn schließlich legt es beiden Partnern die Verantwortung auf, sich gegenseitig alle geistlichen und seelischen Bedürfnisse zu erfüllen. Und das überfordert selbst die besten Partnerschaften und Ehen.

Denn niemand kann uns in allen Bereichen gleichermaßen berühren, herausfordern, verstehen und motivieren. Natürlich nicht, sonst wäre derjenige ein Übermensch. Und selbst die Ehe macht Partner nicht zu Übermenschen und Alleskönnern. Niemand ist auf allen Gebieten top. Jeder hat seine Stärken und seine Schwächen.

Und das ist auch gar kein Problem. Jede Beziehung basiert auf einer anderen Verbindung: Auf gemeinsamen Interessen, auf einer Seelenverwandschaft, auf körperlicher Anziehungskraft, auf was auch immer. Aber selten auf allem gleichzeitig. Paare können eine wunderbare, stabile Beziehung führen ohne miteinander tief über spirituelle Dinge reden zu können. Oder ohne ein einziges gemeinsames Hobby zu haben. Sie können auch tief verbunden und glücklich sein, ohne den leidenschaftlichsten Sex der Welt zu haben.

Ist die Partnerschaft deswegen schlecht oder defizitär? Nicht automatisch. Aber ein solch hoher Erwartungsdruck wie in der Predigt formuliert kann einer Partnerschaft genau das suggerieren und dadurch einen Frust erzeugen, der im Grunde gar nicht nötig wäre.

Um diesen Druck zu vermeiden empfehlen Christen oft, tiefe geistliche Gespräche und tiefe „seelische“ Freundschaften nur mit Menschen gleichen Geschlechts zu führen. Das klingt wie ein Ausweg, ist aber eine Mogelpackung:

Denn warum wäre eine tiefere geistliche oder seelische Beziehung zu einem Mann für mich als Mann keine Beeinträchtigung meiner Ehe, wenn eine tiefere geistliche oder seelische Beziehung zu einer Frau aber eine wäre? Was distanziert meine Frau mehr von mir, wenn sie mit einem anderen Mann eng befreundet ist, als es das täte, wenn sie mit einer Frau eng befreundet ist? Das tut es doch nur, wenn es am Ende eben doch vor allem um die körperliche Anziehungskraft geht – also um den guten alten Sex und die Angst davor, dass mein Partner mit jemand anderem in der Kiste landen oder mich gar ganz verlassen könnte.

Doppelt destruktiv

Diese christlich legitimierte Kombination aus Angst, Eifersucht und unerfüllbarem Erwartungsdruck ist doppelt destruktiv: Sie verhindert gute Beziehungen zu Menschen, die mein Leben (und auch meine Partnerschaft) bereichern könnten, und zerstört gleichzeitig meine Partnerschaft, weil sie die Vertrauensbasis infrage stellt, die lebensnotwendig für eine gesunde Beziehung ist.

Sie setzt den Paaren den Floh ins Ohr, ihre Beziehung sei ständig und von allen außerehelichen Kontakten – egal wie intensiv und von welcher Art sie sind – latent gefährdet. Als die einzigen beiden Wege, die Partnerschaft zu schützen, bleiben dann eine mehr oder minder rigorose Abschottung vor gegengeschlechtlichen Freundschaften und/oder die permanente Selbstoptimierung als Erfüller aller seelischen und geistlichen Bedürfnisse des Partners. Beides führt irgendwann zu Frust und Enttäuschung.

Partnerschaft lebt von Vertrauen

Der positive Gegenentwurf dazu ist für mich dieser: Partnerschaft basiert auf Vertrauen. Vertrauen, dass wir ehrlich zueinander sind. Dass wir uns aufeinander verlassen können. Dass wir die gemeinsamen Absprachen einhalten. Vertrauen, dass wir aber auch ohne gegenseitige Vorwürfe und Schuldzuweisungen darüber reden können, falls wir sie doch mal ein bisschen arg gedehnt haben. Vertrauen, dass wir zueinander und zu unserer Liebe stehen. Und auch, dass wir einander ehrlich sagen können, wenn uns eine andere Beziehung als die eigene eben doch zu tief und zu weitgehend wird. Das ist eine Partnerschaft, die sich nicht an Grenzen orientiert, sondern an ihrem Mittelpunkt: Der Liebe zueinander.

Das erfordert natürlich, im Gespräch miteinander zu bleiben – etwas, was viele Paare nie gelernt oder irgendwann verlernt haben. Und es erfordert die Offenheit, überhaupt erst miteinander über die gemeinsamen Grenzen ins Gespräch zu kommen. Und ja, es bedeutet auch, das Risiko in Kauf zu nehmen, dass der Partner doch zu eng mit jemand anderem wird, sich sogar in jemand verliebt und sich im schlimmsten Fall die eigenen Wege trennen. Aber hey, seit wann verhindert Eifersucht, dass wir Gefühle für andere Menschen entwickeln? Seit wann verhindert Protektionismus Seitensprünge? Die Realität zeigt ja: Es passiert – davor ist selbst die beste Beziehung nicht gefeit. Und auch wenn dann manchmal eins zum anderen führt und aus harmlosen Intimitäten die heiße Nacht im fremden Bett wird, wovor in der Predigt Angst gemacht wird, als sei das ein Automatismus: Dann doch lieber immer im Gespräch bleiben, die eigene Beziehung pflegen und sich vertrauen, statt sich zu misstrauen. Und zu wissen, dass wir vertrauensvoll miteinander reden können, bevor wir zu weit gegangen sind und wir die gemeinsam gesteckten Grenzen eben doch überschritten haben.

Wenn wir den Mut dazu haben, dann schenken wir einander Freiheit. Die Freiheit, dass wir uns jeweils entwickeln und wir aufblühen können, dass wir gute Freundschaften aufbauen und damit wiederum unsere eigenen Partnerschaft bereichern können. An die Stelle der ständigen Angst, einander zu verlieren, tritt dann die Freude zu sehen, wie wir beide wachsen und reifen und immer mehr zu den Persönlichkeiten werden, die in uns angelegt sind. Und wir lernen viel leichter interessante Menschen kennen. 🙂

In der Liebe ist keine Angst, schreibt Paulus. Und Angst ist auch kein gutes Mittel, um Ehen stabil zu machen. Aber Liebe, Freiheit und Vertrauen sind es.

zu Teil 2: So wird deine Beziehung total garantiert ganz doll erfolgreich! 😍 (oder auch nicht 🤔)

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Kommentare

33 Kommentare auf "Ehebruch ohne Sex? Die (falsche) Angst vor außerehelicher Vertrautheit"

  1. bithya85 says:

    Und nicht nur das: Diese Panik vor dem anderen Geschlecht führt auch zu wilden Gerüchten in Gemeinden und der Weigerung, sich gegenseitig zu helfen. Ist einer Freundin von mir passiert: https://gemigblog.wordpress.com/2017/12/22/sex-talk/
    (Wenn der Link hier nichts zu suchen hat, bitte entfernen 😀 )

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  2. SecondAttempt says:

    Da bleibt nur Zustimmung! 👍

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  3. AT Koerner says:

    Danke für diesen Beitrag, der mir sehr „weise“ erscheint.
    Ich war anders/strenger erzogen worden; und daher war ich nicht so weise, als ich mich mit meiner ersten Freundin und späteren Frau zusammen tat, in der Überzeugung, meinen eigenen moralischen Anspruch an mich selbst mit genügend Willenskraft schon „durchhalten“ zu können, mein Leben lang bei ihr zu bleiben, „in guten wie in schlechten Tagen“ zu ihr zu halten usw. Es hat mich letztlich krank gemacht … schwer depressiv. Weil mir die Einsicht, dass wir eben nicht „übermenschlich“ sein können, fehlte; und weil meine Frau mich, als mir die Kraft ausging, mit meinen eigenen Ansprüchen unter Druck setzen konnte. Somit war ich „innerlich unaufrichtig“ … zu mir selbst unehrlich … und zu ihr auch unehrlich, weil sie absolute Ehrlichkeit einforderte, da sie ständig eifersüchtig war, während ich das merkwürdigerweise niemals gewesen wäre … eine Asymmetrie, die ich als äußerst problematisch ansehe.
    Ich will damit überhaupt nicht einer „absoluten Freizügigkeit“ das Wort reden … bestimmt nicht! Doch das Eingeständnis an sich und den Partner, dass man „unvollkommen“ und „menschlich fehlerhaft“ sein kann, wäre zumindest für unsere langjährige Ehe wesentlich besser gewesen. Sie hätte unsere Ehe vielleicht nicht retten können, aber sie hätte letztlich vielleicht doch weniger Seelenleid erzeugt. Denn dieses wäre so oder so gekommen, wenn’s nicht passt. Und dies als Ding der Unmöglichkeit zu betrachten, das es auf Teufel komm raus zu verhindern gilt, ist Blindheit vor menschlichen Gegebenheiten. Wie gerne wäre ich „unfehlbar“ gewesen, und habe es trotz allem nicht geschafft. (So manches Mal musste ich da an Luther denken.)
    Geprägt durch diese Erfahrung, die mich schier zerrissen hat, fühle ich mich mittlerweile regelrecht beziehungsunfähig … ich vermeide jegliche *verbindliche* Beziehung, sobald ich das Gefühl habe, dass mich wieder jemand „gefangen nehmen“ will … so empfand ich das leider im Laufe der Jahre. Und das ist doch eigentlich total schade, nicht wahr? Dann bleibe ich lieber allein. Ist das besser? Für mich ja. Doch ich kenne einige, die sich seither gerne mit mir zusammentun wollten, weil ich ja eigentlich ein liebevoller Mann bin, wie es nicht allzu viele gibt, doch ich konnte es nicht ertragen. Und auch damit habe ich dann liebe Menschen traurig gemacht. Diese Erkenntnis, dass man so oder so andere Menschen (und sich selbst) unglücklich machen kann, finde ich sogar fast noch die bitterste Erkenntnis aus all diesem. Und falls mich jemand ob meiner lobenden Worte zu Eingang kritisieren mag, dann möge er bitte auch diese meine letzten Worte im Herzen bewegen.

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    • Andreas says:

      Lieber AT,
      Deine eingangs lobenden Worte haben mich, nachdem ich die Predigt gehört habe, neugierig gemacht.
      Hast Du die Predigt schon gehört?
      Falls nein, kann ich es empfehlen. So weit ich sie verstehe, verurteilt sie Dich nicht und macht auch keine Angst, sondern lädt Dich ein mit diesem Deinem Zerbruch ehrlich umzugehen, Deine Gefühle ernst zu nehmen und damit zu Jesus zu kommen.
      Ich wünsche Dir dass Du den Druck und die Eifersucht die Du erfahren hast gut verdauen kannst und dass Dir die
      Predigt, oder auch andere Begegnungen dabei helfen können, bei Jesus anzukommen und Frieden zu finden.

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      • AT Koerner says:

        Nein, habe ich nicht. Wieso fragst Du? Habe ich etwas „Falsches“ oder Unpassendes geschrieben. Das täte mir leid. Ich habe nur meine Assoziationen und meine Erfahrung zu dem ganzen Thema wieder gegeben. Und diese war, dass meine Erziehung *zu* streng war … unbarmherzig. Ich glaube, dass Gott so unbarmherzig nicht ist, wenn ich doch bereue … und das tat ich ja zutiefst. Doch Menschen neigen dazu, zu (ver)urteilen, wenn sie sich selbst auf einem Gebiet als „besser“ einschätzen, wenn sie sich mehr unter Kontrolle haben. Und mit Kontrolle meine ich eben nicht nur die realen Handlungen, sondern eben auch die Gedanken und Gefühle. Ich finde, Rolf hat es schon ganz gut herausgearbeitet, dass dies gar nicht möglich und nicht wirklich „quantifizierbar“ ist; und wenn dann die Ansprüche des Partners und auch die eigenen sehr hoch sind, kann es einfach passieren, dass man sehr schnell in die Gefahr kommt, sich selbst zu verurteilen und dadurch regelrecht kaputt zu gehen. Bei mir war das so, und daher gehe ich Menschen aus dem Weg, bei denen ich spüre, dass sie diese hohen Ansprüche wieder an mich richten wollen. Mit Gott habe ich meinen Frieden. (Nur falls Deine Frage sich vielleicht auf ihn bezog.)
        Ich bin übrigens auch ein Andreas … sogar ein Andreas Theodor (dafür steht das AT), und ein Theodor, ein Gottesgeschenk, möchte ich auch sein … für diejenigen, welche ein solches annehmen wollen, ohne Anspruch darauf zu erheben. Was wäre das denn für ein Geschenk, wenn es nicht freigiebig geschenkt, sondern eingefordert wird?

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    • bithya85 says:

      Geht mir teilweise ähnlich. Ich kann auch die Ansprüche potentieller Partner nicht mal ansatzweise erfüllen und will auf keinen Fall „eingesperrt“ sein. Manchmal ist alleine bleiben das kleinere Übel von Beidem.

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  4. Anonym says:

    Praktisch alle Argumente dieses Artikels, die für eine seelische und geistige „Vertiefung“ mit anderen Personen des bevorzugten Geschlechts sprechen, könnte man auch für die dritte Ebene anführen.
    „Denn schließlich legt es beiden Partnern die Verantwortung auf, sich gegenseitig alle geistlichen und seelischen Bedürfnisse zu erfüllen.“ Meiner Meinung nach legt Monogamie auch Partnern die Verantwortung auf, sich gegenseitig alle sexuellen Bedürfnisse zu erfüllen, was auch zu Druck führt.
    Das Argument, dass „körperlicher Ehebruch“ der einzige richtige Ehebruch wäre, weil er körperlich messbar wäre, finde ich ziemlich schwach. Die Messbarkeit eines Merkmals hängt kausal nicht damit zusammen, wie gefährlich/ungefährlich/schädlich/nützlich es ist. Und Jesus würde da übrigens auch widersprechen (Matthäus 5,28).
    Aber ich bin sowieso gegen das strikte Monogamie-Modell, daher hat mir das neue Testament da auch nicht viel Produktives zu sagen.

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    • Rolf Krüger says:

      Hi Ano! Ich will das auch nicht so verstanden wissen, dass körperlicher Ehebruch der einzig „richtige“ Ehebruch sei. Nur dort gibt es meistens klare Erwartungen. Und die Messbarkeit scheint mir da tatsächlich ein Faktor zu sein. Ehebruch ist es immer da, wenn die Vereinbarungen gebrochen werden, die sich ein Paar steckt. Sind solche Grenzen klarer (wie bei der körperlichen Ebene) ist es für alle leichter, diese Grenzen einzuhalten oder zumindest über eine Grenzüberschreitung zu reden. Sind sie schwammiger (wie bei der seelischen Ebene), dann kommt der Druck der Ungewissheit hinzu, was es immer sehr viel schwieriger macht. Nachvollziehbarer?

      Antworten
      • Andreas Landgraf says:

        Hi Rolf,
        Ehe ist wie Laufen auf Wasser, da gibt es immer Ungewissheiten. Im Vertrauen auf Gott, aber auch indem, dass ich bei mir bin und meinem Empfinden von Grenzen und Grenzüberschreitungen vertraue kann ich seelische Nähe zwar nicht messen, aber doch spüren und für mich und in Bezug auf meine Ehe bewerten.

        Wichtig für eine Ehe finde ich, dass wir nicht erwarten alles vom Partner zu bekommen aber spüren, wenn wir anfangen wegen dieser Defizite uns körperlich oder emotional voneinander zu entfernen. Wenn die Nähe zu einer anderen Person dieses auseinanderlaufen verstärkt werden wir nur dann eine bewusst liebevolle Entscheidung treffen, wenn wir uns dieser Abläufe bewusst werden, oder?

        Und, die Liebe fordert nichts. So erwarte ich auch nicht alles von meiner Frau. Defizite bei mir und bei ihr sind okay.
        Wenn sie mir nicht alles geben kann, was ich vielleicht gerne hätte – Muss ich das akzeptieren und mit diesen Wünschen verantwortlich umgehen egal ob es körperliche, seelische oder geistliche Sehnsüchte sind. Dazu gehört Freiheit geben, sich gut um sich selbst kümmern, den anderen wahrnehmen wollen und sich selbst öffnen und äußern.

        Bewegt mann/frau sich so aufeinander zu, wird man sein Leben lang den anderen und sich selbst entdecken.

        Antworten
        • Home says:

          „Im Vertrauen auf Gott, aber auch indem, dass ich bei mir bin und meinem Empfinden von Grenzen und Grenzüberschreitungen vertraue kann ich seelische Nähe zwar nicht messen, aber doch spüren und für mich und in Bezug auf meine Ehe bewerten.“

          Das kann und möchte ich zu 100% bestätigen.

          „… spüren, wenn wir anfangen wegen dieser Defizite uns körperlich oder emotional voneinander zu entfernen. Wenn die Nähe zu einer anderen Person dieses auseinanderlaufen verstärkt, werden wir nur dann eine bewusst liebevolle Entscheidung treffen, wenn wir uns dieser Abläufe bewusst werden“

          Ich habe mal noch ein Komma an der richtigen Stelle gesetzt, macht es leseleichter für mich. 😉 Dieses und dem Folgenden möchte ich mich ebenso anschließen.

          Antworten
      • Kevin schaffrath says:

        Wer eine frau lüstern anschaut begeht Ehebruch. Ist für mich eine ziemlich klare Grenze die jesus persönlich setzt. Das setzt natürlich voraus, dass ich das erkenne. Aber es ist sehr einfach zu sagen, eine Grenze sei schwammig, statt zu gestehen, dass man sich die mühe nicht machen mag die Grenze einfach mal gründlich anzusehen…

        Antworten
        • Rolf Krüger says:

          Wenn du das wörtlich nimmst und ehrlich bist, Kevin, dann brichst du jeden Tag die Ehe. In der Bergpredigt hat Jesus aber vieles nicht wörtlich gemeint. Oder hast du dir schon einmal ein Auge ausgerissen, weil du etwas begehrlich angeschaut hast, was nicht gut für dich wäre? Falls nein: Warum bist du so inkonsequent? Vielleicht, weil du merkst, dass Jesus hier (natürlich) übertreibt, um einen Punkt klar zu machen? Vielleicht sogar einen sehr modernen Punkt, nämlich: Wer eine Frau lüstern ansieht (da steht nichts von einer fremden Frau, sondern generell „eine Frau“, heute würden wir vielleicht sagen: Wer eine Frau als Objekt betrachtet), der hat schon Ehebruch begangen, weil Ehe nicht der Erfüllungsgehilfe für den männlichen Trieb ist, sondern eine gleichberechtigt angelegte Verbindung. Das würde dazu passen, dass Jesus Frauen immer respektvoll und hochachtungsvoll behandelt hat und damit einen krassen Gegenpart zu seiner Zeit gesetzt hat.

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          • Home says:

            Also ich bin jetzt mal kleinlich, weil ich glaube dass das eine Rolle spielt. Ich kenne die Übersetzung: „Wer eine Frau ansieht zu begehren..“ und wenn ich dann noch andere Bibelstellen lese: „nicht begehren das Haus des Nächsten u. s. w.“, dann macht das für mich einen Unterschied.

            Dass ich beim Anblick einer Frau/Mann (das geht Frauen z. T. nicht viel anders) Lust verspüre, dagegen bin ich nicht gefeit. So schnell wie der Körper reagiert in seiner Triebhaftigkeit, so schnell kann der Mensch oft nicht denken und Dagegen Denken würde auch nichts nutzen. Aber wie ich dann damit umgehe, wenn es mir bewusst ist und das sollte unmittelbar erfolgen, ist von Bedeutung. Darauf hat man nämlich durchaus Einfluss, weil man sich u. a. Reaktionen, Verhalten bewusst machen kann.

            Lust zu verspüren, ist noch kein Begehren. Wenn ich begehre, dann will ich haben. Ich kann aber durchaus Lust empfinden ohne dabei haben zu wollen.

            Antworten
            • Britta says:

              Hallo HOME
              Deinen letzten Satz finde ich höchst interessant – so habe ich das noch nicht gesehen!
              Darüber muss ich unbedingt noch ein bisschen länger nachdenken!
              Ich denke, indem Jesus uns auf diese innere Ebene aufmerksam macht, nimmt er uns mit in eine höhere/tiefere Dimension (4./5.?), aus der heraus wir uns neu betrachten können, was uns in der Frage: „Wer bist Du, Gott?“ und damit immer auch im Erkennen unseres eigenen Wesens ein Stück weiterbringt. … wenn wir uns darauf einlassen und es nicht im rein äußerlichen Verständnis lassen wollen.
              Ähm… weiß nicht, ob das klar verständlich ist…😳

              Antworten
              • Home says:

                Hallo Britta,

                was gut für mich klingt ist, dass Jesus uns auf eine innere Ebene aufmerksam machen möchte und wenn wir uns darauf einlassen, es nicht nicht im rein äußerlichen Verständnis bleibt. Ich hoffe, ich habe das richtig verstanden. Auch wenn ich hier im äußeren Verständnis geblieben bin: „Ich habe erkannt, dass meine ganze Erkenntnis nichts taugt, im Vergleich zu der Erkenntnis die Gott einem gibt,.. über sich.“ Ist es das was Du meinst?

                Ich stimme auch mit Rolf Krüger und Dir 14:06 überein, falls ich da Zweifel aufkommen ließ. Was ich nicht verstehe ist: “ höhere/tiefere Dimension (4./5.?)“ Was bedeuten diese Zahlen?

                P. S.: Mein Kommentar sollte weder Widerspruch noch Zustimmung zu einem Kommentar sein, sondern einfach nur eine andere ergänzende, unvollständige Sichtweise. Ein kleines Puzzle.

                Antworten
  5. Anonym says:

    Wenn zwei Freundinnen nur eng befreundet sind, spricht ja nichts dagegen. Aber wenn die Freundin soweit Gehirnwäsche bei der Ehefrau betreibt so dass die Ehefrau nicht mehr ihren Ehemann liebt sondern die neue Freundin dann geht dies zu weit dass ist aufjedenfall Ehebruch. Wenn dann danach Ehe dadurch geschieden wird und die Freundin mit der Exfrau und den Kinder zusammen zieht ist nicht Ok. Dies dann in einer Kirchengemeinde sogar geduldet wird dann hört es echt auf. Das ist definitiv nicht Ok.

    Antworten
    • Rolf Krüger says:

      🤔 Sei mir nicht böse, aber das klingt irgendwie nach unverarbeitetem Frust bei dir und hat auch irgendwie nichts mit dem Thema zu tun…

      Antworten
      • Andreas Landgraf says:

        Sei mir nicht böse, aber das klingt so, als ob Du Anonymus nicht verstanden hast.

        Sie gibt Dir Recht bei dem Satz:
        „Was distanziert meine Frau mehr von mir, wenn sie mit einem anderen Mann eng befreundet ist, als es das täte, wenn sie mit einer Frau eng befreundet ist?“

        Und gibt in einem anderen Punkt dem Prediger Recht, es geht nämlich nicht nur um den guten alten Sex. Sondern um jede Form von Beziehung die sich zwischen ein Paar schiebt dass sich lebenslange Treue versprochen hat.

        „Ein Ehebund, den Gott meint, besteht aus Körper, Seele und Geist. Du kannst die Ehe sexuell brechen, du kannst sie seelisch brechen, indem du mit einem Menschen des (#anderen Geschlechts#) eine tiefere Freundschaft hast als mit deinem Ehepartner. “

        Wie Du macht sie keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern.
        Anders wie Du glaubt sie dass eine Ehe auch seelisch gebrochen werden kann und die Früchte auch messbar sein können, wenn es z.B. zu einer Trennung vom Partner kommt.

        Ich finde dass ist ein ziemlich differenzierter Beitrag in der von Dir gewünschten Debatte. :-B

        Antworten
  6. Britta says:

    Vielleicht sollen uns die Begegnung mit der Ehebrecherin und ihren Richtern und die Anmerkung Jesu zum Ehebruch in der Bergpredigt ja nur deutlich machen, dass wir es schlicht und ergreifend nicht schaffen werden, nicht die Ehe zu brechen…? Egal, auf welcher Ebene? Und es trotzdem versuchen sollen? So gut wir es verstehen (… oder möglicherweise doch nur wieder neu missverstehen…)? Ohne Angst, für immer verurteilt zu werden, wenn wir versagen? Und mit immer weniger Steinen in den eigenen Händen?
    Und Gnade dem, dem/der es gelingt, auf dem hohen Ross sitzen zu bleiben und auf keiner Seite mehr herunterzufallen und darum endlich auf alle anderen herabschauen und sie belehren zu können…
    Das Ringen der Gemeinde um den „Jesus-Weg“ schätze ich sehr, dennoch reagiert mein Magen-Darm-System auf einiges mit Unwohlsein, angefangen bei dem selbstüberzeugten ICF-München-Vorspann und v.a. bei den Namen der beiden „Ehebrecher“…
    Interessant finde ich, dass Tobias Teichen in einem Moment so viel Wert auf das Nichturteilen legt und es im nächsten Moment selber fröhlich wieder tut : )
    … und wo ich gerade davon rede und davon überzeugt bin, dass das „Richtet nicht“ von Jesus sehr ernst gemeint und unsere größte Herausforderung ist und bleibt… hör ich hier doch lieber mal auf… ; /

    Antworten
    • Britta says:

      P.S. Gibt es „falsche Angst“?

      Antworten
      • Rolf Krüger says:

        Ja, wenn sie eigentlich keine Grund hat, uns aber blockiert oder zu destruktivem Tun verleitet.

        Im Übrigen stimme ich deinem Post zu, danke! 🙂

        Antworten
    • Rainer says:

      Bei deinen ersten Sätzen ist mir ein Auslegung eingefallen, die ich über den reichen Jüngling gehört habe, der behauptete das ganze Gesetz seit seiner Kindheit befolgt zu haben, die Frage nach dem ewigen Leben stellt, Jesus ihn auffordert sein gesamtes Vermögen den Armen zu geben und er dan traurig weggeht. Nach dieser Auslegung (soweit ich mich erinnere von Jens Stangenberg aus der Zellgemeinde Bremen) ging es genau darum: Wir schaffen es nicht. Wir werden scheitern. Es ist unmöglich von uns aus „Gott zu gefallen“ durch das befolgen von Regeln. Die „Forderung“ von Jesus ist – für diese Person – bewusst unmöglich gestellt. Ebenso unmöglich, wie die Aussage das Gesetz komplett befolgt haben zu können. Aber darum geht es vielleicht auch gar nicht, sondern darum, dass wir nur aus geschenkter Gnade leben können und dürfen, mit der Zuwendung Gottes ohne Leistung und wahrhaftig mit unseren Fehlern anstatt mit der „Ich-bin-fromm-Maske“. … nur so ein paar Gedanken.

      Antworten
      • Britta says:

        Danke Rainer,
        inzwischen verstehe ich diese Herausforderung auch so.
        Direkt danach erklärt Jesus seinen Jüngern ja sogar, dass das bei Menschen unmöglich ist, Gott aber nichts unmöglich ist – „Mein Papa kann alles“ : )
        Hiob könnte übrigens ein Bild dafür sein, wie Gott es bei einem frommen Superreichen „schafft“, ihn quasi in den Himmel zu bugsieren – ist allerdings ultrastürmisch und wirkt ausgesprochen brutal… alles geht den Bach runter, nichts ergibt mehr Sinn…
        Ich glaube, in dieser Geschichte geht es genau um diese Frage: Liebst du mich eigentlich auch, wenn ich nicht alles „richtig“ mache – so, wie du es von mir erwartest? Und zwar auf beiden Seiten!
        Hiob hat ja zu Beginn der Geschichte Panik, dass seine Söhne (und Töchter) Gott lästern könnten und bemüht sich nach deren Feten jeweils sehr darum, alles Nichtkorrekte durch Opfer wiedergutzumachen!
        Und da regt sich JHWH der Zweifel – in der Gestalt Satans – , ob etwas in ihrer Beziehung noch zwischen ihnen steht. Und diesen Zweifel/Widerstand (= satan) will er ausräumen.
        Das fühlt sich von menschlicher Seite aus schrecklich an, aber nach der Schwergeburt ist Hiobs Glaube ein völlig verwandelter und er erhält alles, was er verloren hat, doppelt zurück. Es klingt sogar so, als sei er in einer anderen Sphäre gelandet, denn dort trifft er „alle, die ihn früher gekannt hatten“… und sein Ende war besser als sein Anfang!

        Heute Morgen stand Psalm 23,6 in der Losung: „Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen…“
        Lange Zeit war ich schneller 😂 – immer (innerlich) am Rennen aus Angst vor einem endlos strafenden Gott, bis ich eines Tages – wohl von ihm selber – den Mut bekam, an(inne!)zuhalten und nachzufragen und genauer hinzuschauen.
        Da haben mich Güte und Barmherzigkeit doch glatt eingeholt 🤗

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  7. Charly says:

    Ich habe mir diese „Predigt“ angehört.
    Mein Fazit: Diese Predigt ist in vielen Punkten eine komplette Fehlleistung! Schon mal damit angefangen, dass hier das persönliche Scheitern von Personen mit Namensnennung in die Weltöffentlichkeit getragen wird. Sagen wir nicht: „Das Internet vergisst nicht!“? Also selbst wenn die Betroffenen ihre Krise auf die eine oder andere Art meistern werden, diese Anklage – und nichts anderes ist es – wird weiter im Netz stehen. Für eine Predigt in die Situation dieser Gemeinde hinein, hätte es gereicht das Geschehen anonymisiert zu schildern.
    Diverse Punkte des Vortrags sind, aus der Sicht der christlich-psychologischen Betrachtung, schlicht Unsinn.

    Ich habe deinen ersten Blogbeitrag dazu gelesen.
    Danke für diese Reaktion!
    Du hast vollkommen Recht damit, hier analytisch auf einzelne Punkte zu schauen.
    Dein hier erster Beitrag zeigt schon auf, das Beziehungen komplex und kompliziert sind. Solche platten Pauschalausagen, die wir zum Teil in dem Vortrag hören, sind untauglich dieser Komplexität begegnen zu können.
    Ich gebe dir Recht, wenn du darauf hinweist, dass wir Beziehungen / Ehen zerstören können, wenn wir Misstrauen sähen.

    Was den von dir angesprochenen Punkt betrifft: Wir wollen Defizite ausgleichen – auch in unseren Beziehungen. Das Wort „Defizite“ ist hier bitte neutral und nicht negativ anzusehen. Kein Partner ist fähig seinem Beziehungspartner zur Gänze erfüllend zu begegnen. Daher ist es auch kein Grund für Alarm, wenn einzelne Defizite in anderen Beziehungen ausgeglichen werden. Zumindest ist es solange ok, wie dies in dem Vertrauensrahmen der übergeordneten Beziehung (zB die Ehe und darüber hinaus die Beziehung mit Gott) geschieht. Die übergeordneten Beziehungen setzen einen Rahmen, setzen Grenzen des Austauschs mit anderen.Das ist normal. Solche Grenzsetzungen müssen gemeinsam erarbeitet werden, damit sie „gesund“ sind. Nicht zuletzt redet die Bibel an so vielen Stellen davon und gibt uns selbst einen Rahmen vor. (Der bei weitem nicht so eng oder so beliebig ist, wie von Manchen behauptet wird.
    Vertrauen, welches auch in/durch Kommunikation gestärkt und ausgedrückt wird, ist die Basis von solchen Beziehungen. Vertrauen ist jedoch nicht statisch und muss demzufolge beständig gewährt und gemeinsam erarbeitet werden. Vertrauen in der konkreten Beziehung ist individuell und kann deshalb auch nicht durch pauschale Konzepte bewirkt werden. Eben auch nicht durch „Ehecoachings“ – wie in dem Vortrag fast schon zwingend anbefohlen. Solche können helfen, aber nichts garantieren! (… wie in dem Vortrag behauptet.)

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  8. Jana says:

    Hallo Rolf, vielen Dank für den Beitrag! Ich war sehr berührt von Tobi Teichens Predigt, aber habe hier nochmal sehr wichtige, andere Punkte mitnehmen können, die ich von allein so nicht auf dem Schirm gehabt hätte.
    Und dann wollte ich noch anmerken, dass „being“ nur mit einem e geschrieben wird, soweit ich informiert bin. 🙂

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  9. Frank Michael Seeger says:

    Es wird nie eine perfekte Ehe geben, weil es keine perfekten Menschen gibt. Ehen überdauern die Zeit, weil Menschen bereit sind, Kompromisse zu schließen. Sie wägen ab. Sie überschlagen die Konsequenzen. Kinder, Finanzen, soziale Erwartungen, gesellschaftliche Normen, Zukunftspläne, Sicherheit, Gewohnheit, eigene Werte und Lebenskonzepte. Herrscht hier eine Balance, die unerfüllte Erwartungen, Wünsche, Sehnsüchte kompensieren lässt, funktioniert Ehe. Gerät dieses Gleichgewicht über längeren Zeitraum in Schieflage und erzeugt massiven Leidensdruck wird der Mensch krank und/oder sucht nach einem Ausweg…
    Ehe als überhöhtes moralisches Konstrukt funktioniert nicht. Ehe als von Gott gesegneter Schutzraum für zwei Menschen, die Liebe und Vergebung im Wissen der eigenen Fehler und Grenzen ein Leben lang gemeinsam buchstabieren schon eher…

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  10. Auf'n'Kaffee mit Rolf Krüger | So wird deine Beziehung total garantiert ganz doll erfolgreich! 😍 (oder auch nicht 🤔) says:

    […] von Partnerschaft empfinde ich als schwierig, besonders an zwei Punkten habe ich mich gestoßen. Im ersten Teil ging es um die Angst vor Ehebruch ohne Sex (hier […]

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  11. Hanna says:

    Lieber Rolf
    Danke für deine kritische Auseinandersetzung mit dieser Predigt.
    Ich bin dankbar über Dinge, die der Herr da gerade ans Licht bringt.
    Ich gehöre zu denen, die eine nicht so schöne Erfahrung mit der Strategie des ICF-München Stils gemacht hat, die „vermeintlich“ für Alles eine Lösung nach Schema hat.
    Kann man nur beten, dass sie lernen in Demut zu wandeln und in Ehrfurcht vor dem Thron Gottes zu stehen und Buße tun für das, was in der Leiterschaft passiert ist anstatt andere davor zu „drohen“ (wehe es wagt einer von euch, zu richten…)

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