Ich frage mich, warum unsere Zeit es an sich hat… 8

Ich frage mich, warum unsere Zeit es an sich hat, dass überall da, wo Menschen Gräben überwinden wollen, andere Menschen auftauchen und die Wichtigkeit dieser Gräben betonen – im Namen des Christentums.

Ich frage mich, warum unsere Zeit es an sich hat, dass überall da, wo Menschen Liebe über Gesetze stellen, sich andere Menschen sorgen und mahnen, wie richtig diese Gesetze sind und wie deplatziert die Liebe
– im Namen des Christentums.

Ich frage mich, warum unsere Zeit es an sich hat, dass überall da, wo Menschen den Bedrängten helfen, andere Menschen aufstehen – im Namen des Christentums – und davor warnen, weil diese Bedrängten unser Weltbild verändern könnten.

Ich frage mich, warum unsere Zeit es an sich hat, dass überall da, wo Menschen Brücken bauen und einander verstehen wollen, andere Menschen aufschreien und protestieren, weil jemand wirklich über diese Brücken gehen – und die „richtige“ Seite verlassen könnte.

Sie sorgen, mahnen, protestieren und warnen im Osten, im Süden, im Westen, im Norden, auf der Straße, in Briefen, in Petitionen und Facebook-Kommentaren – im Namen des Christentums.

Im Namen des Christentums?

War es nicht das Christentum, das so oft Gräben überwand – im Namen von Jesus Christus?

War es nicht das Christentum, das so oft Gesetze aus Liebe brach – im Namen von Jesus Christus?

War es nicht das Christentum, das so oft den Bedrängten zur Freiheit verhalf – im Namen von Jesus Christus?

War es nicht das Christentum, das so oft Standpunkte hinterfragte und Brücken baute, um Menschen zu verändern – im Namen von Jesus Christus?

War es nicht Jesus selbst, der so oft Gräben überwand, Gesetze aus Liebe brach, den Bedrängten zur Freiheit verhalf, Standpunkte hinterfragte, damit sich Menschen verändern konnten? War es nicht Jesus, der sich stets gegen Mahner und Besserwisser und Richtigsteller wandte und davor warnte, den Menschen im Namen des Glaubens zu versklaven?

Warum hat unsere Zeit es an sich, dass Menschen im Namen des Christentums reden und das vergessen?

Oder ist es gar nicht nur unsere Zeit? Ist das schon immer so und wird es immer bleiben? Mag sein.

So und so bleibt der Auftrag an uns bestehen: zu lieben.
Auch und gerade die, die sorgen und mahnen und protestieren und warnen.
Und damit genau das zu machen, wofür wir so klar einstehen: Nämlich Brücken zu bauen, um Gräben zu überwinden.

Nur Liebe kann diese Brücke sein. Und wenn Gott voller Liebe ist, und Christus voller Gott, dann tun wir das auch im Namen des Christentums.

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Kommentare

8 Kommentare auf "Ich frage mich, warum unsere Zeit es an sich hat…"

  1. Thomas Jakob says:

    Das ist nichts, was unsere Zeit an sich hat. Die generelle, über alle Zeiten hinweg geltende Regel ist, dass Christentum immer dann falsch wird, wenn es sich mit Macht, mit Geld und mit dem Establishment verbündet.

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  2. Matthias Brender says:

    Hmm, das verstehe ich jetzt nicht so ganz…was ist jetzt der Unterschied zwischen einem offenen Brief mit Einspruch und einem offenen Gedicht mit Einspruch?

    Lieben Gruß von einem, der sich gerade nur auf fb von seiner eigentlichen Arbeit ablenkt und allerseits einen gesegneten 4. Advent wünscht….Matthias Brender

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    • Rolf Krüger says:

      Hallo Matthias,

      nun, es geht mir gar nicht um die Form – ich habe nichts gegen gepflegte öffentliche Auseinandersetzung bei öffentlichen Themen. Es geht mir um den Inhalt. Wobei sich das jetzt gar nicht so arg auf den offenen Brief von Ulrich Parzany an Michael Diener bezieht, wenn du daran denkst. Der war vielleicht ein Anlass.

      Aber die Frage geistert mir schon lange im Kopf herum, warum Menschen meinen, im Namen Jesu immerzu warnen und mahnen zu müssen, auf dem rechten Weg zu bleiben, obwohl Jesus für die Warner und Mahner nicht viel nette Worte übrig hatte. 🙂

      Schon seltsam. Eigentlich eignet sich Jesus nicht gut dazu, sich gegen andere Menschen oder andere Lebensweisen abzuschotten. Komischerweise passiert aber gerade das häufig. Selbst die Pegidas meint, das christliche Abendland retten und vor den Flüchtenden warnen zu müssen, obwohl die meisten von ihnen kaum oft eine Kirche von innen sehen dürften.

      Irgendwie zieht Religion diejenigen an, die im Namen der Religion ihr Weltbild verteidigen wollen. Obwohl Jesus so anders war.

      Das frag ich nur. 🙂

      Liebe Grüße nach Hamburg!
      Rolf

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  3. Ullrich Papschik says:

    Die Chinesen haben immer noch ihre weltgrößte Mauer, die USA und Israel haben Zäune und Mauern um Flüchtline und Terroristen abzuhalten und die Deutschen hatten zum Glück nur knappe 40 Jahre Mauern und Stacheldraht . Trotz alledem sind Gräben eine sichtbare Abgrenzung oder Barriere über die man vielleicht springen, gehen oder fahren muß um zum Andern zu kommen, aber nur, wenn ich es will und nicht blockiere ! Alle bekannten Gräben , Mauern , Sperren oder Grenzen wurden nicht vom Christentum errichtet sondern von irgend EINEM der diesem Kreis angehört und zu ängstlich war. Das schlimme ist außerdem noch, daß bei den vielen sichtbaren Grenzen und Gräben auch viele noch in den Köpfen bestehen, die ähnlich wie beim PC noch nicht ausgerottet werden konnten,
    vielleicht auch , weil unsere Kirchen, Pfarrer , Prediger, Politiker zu wenig von der Liebe zum Nächsten gepredigt haben ?

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  4. Picco says:

    Lieber Rolf

    Jesus selbst hat gemäss dem neutestamentlichen Text durchaus selbst gemahnt und gewarnt; das war ihm keineswegs fremd. Wenn ich zum Beispiel an das Gleichnis von den klugen und den „törichten“ jungen Frauen denke, an Jesu Rede vom Weltgericht, an sein Gleichnis vom Sämann und ganz besonders an seine sieben Briefe („Sendschreiben“), die Johannes der Apokalyptiker ausgerichtet hat, dann finde ich, dass Jesus selbst bei aller Liebe durchaus ein Mahner und Warner war. (Wobei die von mir „angerissenen“ Stellen nur eine Auswahl sind; es gibt noch mehr.)

    Die Nachfolge Jesu und ein Agieren als Mahner und Warner scheinen sich demzufolge nicht gerade gegenseitig auszuschliessen.

    Wogegen Jesus sich m.E. mit Entschiedenheit gewandt hat, sind nur die heuchlerischen Mahner und Warner. Also diejenigen, die zwar immer den Anderen ganz genau sagen konnten, was richtig und was falsch ist, und die die Fehltritte der Anderen auch hart zu strafen bereit waren; die dabei aber selbst voller Sünde und Übertretung waren und jede Bereitschaft zur Selbstkorrektur vermissen liessen.

    Insoweit scheint mir Mahnen und Warnen im christlichen Kontext nicht grundsätzlich falsch zu sein. Aus diesem Grund finde ich dein Gedicht etwas zu unklar; ich finde, du solltest „Ross und Reiter“ benennen und dann kann man besser schauen, ob ein Mahner und Warner (Frauen eingeschlossen) tatsächlich etwas von Gott her zu sagen hat oder ob er/sie eher der Heuchler-Fraktion angehört.

    LG Picco

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    • Harry says:

      Lieber Picco,

      Gottes Wesen ist Liebe. Jesus ist Liebe.

      Rolf mahnt zu nichts anderem als zur Liebe.

      Wunderbar

      Ich möchte den Text gern verbreiten und beantrage, dass er ins NT aufgenommen wird.
      Harry

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