Coffee to go (XXXX): Theologie ist immer auch Versuch und Irrtum 19

In der Theologie gab und gibt es immer auch Versuch und Irrtum, Größe und Grenze selbst bei den Kirchenlehrern wie etwa Augustinus, Thomas von Aquin und Theologen wie Newman oder Rahner und von Balthasar. […] Theologie ist ein intellektueller und praktischer Lernprozess, in dem es darum geht, das Wort Gottes im Glauben zu hören und im Leben zu befolgen. Deswegen ist die Theologie auch ein geschichtliches Phänomen. Es gibt historisch gewachsene Gestalten von Theologie; aber wir müssen uns immer wieder „neu aufstellen“, ohne hinter die einmal gewonnenen Erkenntnisse zurückzufallen.

Gerhard Kardinal Müller in einem Interview mit der FAZ

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Kommentare

19 Kommentare auf "Coffee to go (XXXX): Theologie ist immer auch Versuch und Irrtum"

  1. Karl Heinz says:

    „… ’neu aufstellen‘, ohne hinter die einmal gewonnenen Erkenntnisse zurückzufallen.“ (Kardinal Müller)

    Im römischen Kontext ist sicher die „lebendige Tradition“ gemeint.

    Doch welches sind im Kontext protestantischen Autoritätsverständnisses „einmal gewonnene Erkenntnisse“, hinter die es nicht „zurückzufallen“ gilt?

    Und wer wird beurtelt wonach, ob die „Neuaufstellung“ Rück- oder Fortschritt bedeutet?

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  2. Harry says:

    Ich sehe einen gewissen Widerspruch in der Argumentation von Müller.

    Wenn Kirchenlehrer in der Lage waren, sich zu irren, dann täte man gut daran, ggf. hinter die irrige Erkenntnis zurück zu fallen.

    Wenn es eine fortschreitende Offenbarung gibt, dann gehört praktisch so gut wie alles auf den Prüfstand.

    MMn muß sich alles messen lassen an Liebe, Gnade und Barmherzigkeit.

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    • Karl Heinz says:

      Und woran misst du „Liebe, Gnade und Barmherzigkeit“?

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      • De Benny says:

        Wenn ich Harry richtig verstehe, sind die die Meßlatte. An denen mißt er alles. Wenn Du ein Maßband hast, mißt Du es ja auch nicht aus, sondern mißt MIT ihm, oder? Maßstäbe werden nicht bemessen.
        Man könnte provokant auch so sagen: Liebe, Gnade und Barmherzigkeit, das ist der Gott Harrys. Und da Gott die Liebe ist, ist das auch gut orthodox. 😉

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        • Karl Heinz says:

          Und wer definiert, wie „Liebe“ aussieht? Wir? Oder Gott? Ist Liebe bedingungslose Toleranz und Akzeptanz? Oder ist Liebe auch, seinen Nächsten mit Gottes Maßstab zu konfrontieren und zu warnen? Du siehst: Ohne Qualifikation zu sagen, Liebe, Gnade und Barmherzigkeit seien der Standard, ist, abstrakten Blindtext zu reden. Da kann sich jeder sein Süppchen drauf brauen. Liebe ist die Summe des Gesetzes. Das bedeutet zunächst mal, dass Liebe in einer Beziehung zum Gesetz steht. Lieben wir unseren Nächsten, dann wollen wir sein Bestes. Und wie wissen wir, was sein Bestes ist? Wir gehen von uns aus (Goldene Regel). Dem gemäß haben wir alle, jeder nach seinem eigenen Stand, unterschiedliche Vorstellungen davon, was „Liebe“ bedeutet. Wir sind darauf angewiesen, dass Gott uns Weisheit schenkt, wie wir lieben sollen. Und die Grundlage dafür ist sein geschriebenes Wort, die Gebote, die ganze Torah, Jesu Leben, die inspirierte Deutund durch die Apostel.

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          • Harry says:

            Lieber Karl Heinz,

            die Zuhörer der Bergpredigt wußten gar nichts von dem Lehrgebäude, das du hier auftürmst.
            Sie wußten nichts von menschengemachten Dogmen, Bekenntnissen der Kirchenlehrer nach der Zeit Jesu.
            Dieser Machtapparat wurde in den letzten 2000 Jahren erst konstruiert.
            Jesus hat bereits alte Lehrapparate hinweggefegt und einzig und allein die Liebesgebote zum Maßstab gesetzt. Jesus hätte auch heute enorm vieles zu bemängeln und hinwegzufegen, mit dem die jetzigen Gläubigen geknechtet werden.

            Wir wissen, was die Kirchengeschichte auch für Auswüchse hervorgebracht hat: Viel bedingte dogmenabhängige „LIebe“ mit Mord und Totschlag, geistlichem Mißbrauch und spirituellem Terrorismus.

            Der einzelne Gläubige hat trotzdem in guter Absicht immer wieder versucht, die Liebesgebote zu befolgen, aber er wurde beeinflußt durch die Macht der Dogmen und hat oft genug, durch die Dogmenbrille schauen müssend, mitgemacht bei den Verfehlungen, hat nur geliebt, wenn die vorgegaukelten Bedingungen von den zu Liebenden eingehalten wurden. Also bedingungsabhängige Liebe.

            Dieses System ist durchschaut.

            Die Ausgestaltung der Liebesgebote wie Freundlichkeit, Respekt, Barmherzigkeit, Hilfsbereitschaft, Vergebungsbereitschaft, Geduld, Anteilnahme, Behutsamkeit, Gastfreundschaft, Akzeptanz, Unvoreingenommenheit, Freigiebigkeit, Empathie, Mitgefühl, Rücksicht, Mitleid, Achtsamkeit, Einfühlungsvermögen, Hingabe uvm. wird oft relativiert durch die menschengemachte vorgeschaltete Dogmenbrille. Man könnte von einer Verführung und Verbiegung sprechen, wenn dies dazu führt, dass die Absolutheit der Liebesgebote abhängig gemacht wird von schwächelnden menschengemachten Dogmen und Lehren.

            Sowohl ein barmherziger gnädiger Gott als auch der lautere Versuch der bedingungslosen LIebe durch Menschen wird damit mMn verunglimpft.

            Wenn es einen gravierenden Irrtum gibt, dann ist es mMn die Relativierung und Verharmlosung der Liebesgebote Gottes mit dem Glauben an einen in erster Linie rachsüchtigen Gott. Solch ein Glaube treibt wie beschrieben seltsame Blüten.

            Es gibt mit Sicherheit auch sehr viel Gutes in der Christenheit in Sachen Liebe.

            Dein Beitrag allerdings wirkt auf mich sehr gesetzlich, einengend.und formalistisch……. aber ich weiß, dass auch du es gut meinst.

            Gottes Liebe ist immer größer, als du gerade glaubst.

            Liebe Grüße
            Harry

            Antworten
            • Karl Heinz says:

              Lieber Harry,

              Verschwörungstheorie mit dem Feindbild „Dogma“?
              Zu sagen, ale Dogmen seinen machtpolitische Werkzeuge, ist Geschichtsklitterei.
              „Der Apostel Lehre“ ist rein ehymologisch auch ein Dogma („διδαχή“).
              Alles prüfen und das Gute behalten, heißt auch Dogmen prüfen. Wie? Anhand des geschriebenen Wortes Gottes! Da werden etlichen Dogmen fallen. „Maria coerdemptrix“ wird sich sicherlich verabschieden müssen, sowie manches römische Dogma.
              Doch etliche andere werden bestehen und sich als äußerst nützlich und klärend erweisen, wie z. B. das filioque und andere trinitarische Dogmen de Calcedonense.

              Wenn mein Beitrag dir gesetzlich vorkommt, kommt der Deinige mir gesetz-los vor 😉 Gesetz-losigkeit kannst du nicht wollen, denn laut Jesus „wird die Liebe in vielen erkalten, weil die Gesetzlosigkeit überhand nimmt.“ (Mt. 22,37)

              Bleiben wir doch dabei: Wenn Jesus das Gesetz nicht aufhebt, dürfen wir es auch nicht.

              Viele Grüße

              Antworten
              • Harry says:

                Lieber Karl Heinz,

                welches einzige Gesetz hebt denn Jesus nicht auf, sondern bestätigt es umfassend und ausführlich?

                Lukas 10, 25……… Lehrer, was muss ich getan haben, um ewiges Leben zu erben?
                26 Er aber sprach zu ihm: Was steht in dem Gesetz geschrieben? Wie liest du?
                27 Er aber antwortete und sprach: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Verstand und deinen Nächsten wie dich selbst.“

                Und wie liest du?

                Offensichtlich ganz anders! Du erwartest allem Anschein nach, dass ich mich den GESETZEN der Kirchenlehrer, ihrem endlosen und widersprüchlichen Sermon hingebe und das einzig gültige Gesetz aus den Augen verliere, in der Form, wie es Millionen Christen widerfährt, wenn sie sich dem endlosen Streit über Dogmen und Gegendogmen wie ich es beschrieb, unterwerfen.

                Mehr als 40 Jahre lange Beschäftigung mit Gesetzlichkeiten haben mich endlich dazu gebracht, den erlernten und aufgezwungenen Ballast ein wenig abzuschütteln und meine gesammelten Erkenntnisse den Liebesgeboten Jesu zu unterwerfen.

                Gesetzeslehrer der dogmatischen Art sind mir unheimlich.

                Ich fühle mich nur noch einem Gesetz verpflichtet. Ich studiere die Bibel und finde darin Bestätigung, viele menschlich aufgestellte Gesetzlichkeiten zu verwerfen. Die Ausgestaltung der Liebesgebote ist eine lebenslange Aufgabe, besonders für Theologen. Es sollte Lehrstühle dafür geben, weniger aber für Dogmen und theologische Exzesse.

                Tit 3,9 Törichte Streitfragen aber und ……. Zänkereien und gesetzliche Streitigkeiten vermeide! Denn sie sind unnütz und wertlos.

                Röm 6,14 Denn die Sünde wird nicht über euch herrschen, denn ihr seid nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade.
                Röm 6,15 Was nun, sollen wir sündigen, weil wir nicht unter Gesetz, sondern unter Gnade sind? Auf keinen Fall!

                1. Kor. 9,20-21 redet vom Gesetz CHRISTI. Das sind die Liebesgebote Christi und sonst nichts.

                Um der unnützen Gesetzlichkeit den Zahn zu ziehen ist es sehr hilfreich, diejenigen und ihre Meinung genau zu studieren, die den Menschen neben dem Gesetz Christi weitere und andere Gesetze auferlegen, die ohne Ende menschengemachte und widersprüchliche Dogmen und Bekenntnisse erlassen oder zitieren und dabei die Liebe Gottes und ihren eigenen Liebeseinsatz vielleicht aus den Augen verlieren. Beispiele gibts sowohl in der Bibel selbst als auch bis zum heutigen Tage in Fülle.

                Liebe! – sei getrost in Gott und tue, was du willst. Das ist die Freiheit in Christus..

                So sehe ich das jetzt 🙂

                Natürlich ist das ein Gegendogma. Jesus hat es höchstpersönlich aktualisiert und autorisiert. Es ist mMn die zentrale und einzige wichtige Botschaft für Christen.

                Liebe Grüße
                Harry

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                • Karl Heinz says:

                  Lieber Harry,

                  Zunächst eine Anmerkung zu deiner 1. Frage:
                  Ja, das Gebot, Gott und unseren Nächsten zu lieben. So lese ich auch. Das ist die Summe des Gesetzes. Schon in der Bergpredigt formuliert Jesus aus, was Liebe bedeutet: Es folgen Details wie sexuelle Reinheit („die Frau seines Nächsten begehren“), Ehrfurcht vor Gott (nicht schwören) etc., alles Faktoren, die auch in der Torah stehen, nur eben noch gleichsam „verinnerlicht“. Jesus verurteilt unechtes, heuchlerisches Handeln, um schönen Schein zu wahren. Den gleichen Tenor haben seine Ausführungen über Almosen.

                  Desweiteres danke ich dir, dass du von deinen Erfahrungen und deinem gedanklichen Werdegang erzählst. Über 40 Jahre … Das deckt sich ungefähr mit der Zeit meines eigenen Lebens als Christ (meine Bekehrung fiel in das Jahr 1972). Jeder erlebt etwas anderes. Bei mir war es so: Nach dem Abebben der Jesusbewegung verbrachte ich viele Jahre in Dogmen- und Credo-feindlichen evangelikalen Freikirchen. Mein Unbehagen darin ließ mich weitersuchen. Vor etwa 25, lange, bevor der Calvinismus wieder in aller Munde war, lernte ich die Schriften der protestantischen Reformatoren und der Puritaner kennen und fand dort ein sehr tiefes Verständnis der Gnade Gottes, des Bundescharakters der Erlösung und der Harmonie und Symmetrie des geschriebenen Wortes Gottes. Diese Theologie ist alles andere als „gesetzlich“.

                  Ich sehe mit Bedauern, dass in vielen Kreisen jegliches strukturiertes Denken über Gott und den Glauben reflexartig als abstrakt, steril und gesetzlich abgelehnt wird.

                  Viele Grüße und Gottes Segen!

                  Antworten
                  • Harry says:

                    Lieber Karl Heinz,

                    danke auch für deinen Bericht.

                    Ich habe mich auch mit der reformatorischen Theologie beschäftigt. Da gibt es durchaus Schnittmengen.

                    Mit ist aufgefallen, dass reformatorische Theologie einen hohen Grad an intellektueller verstandesmäßiger Reflexion aufweist. Reformatorisch denkende Gläubige gehen in die Tiefe. Es hat durchaus auch philosophischen Charakter.

                    Aber ich sehe auch Irrungen. Ich glaube derzeit eine einfache Prädestination. Das bedeutet für mich, dass Paulus einer Vorherbestimmung der gläubigen Erstlinge das Wort redet. Die Erstlinge im Glauben haben dabei mMn bestimmte Aufgaben, z.B. Mission zu betreiben. Kurios dabei empfinde ich aber die Sichtweise des doppelten Ausgangs, der in reformatorischen Kreisen mMn als das nicht erklärbare Geheimnis Gottes dargestellt wird. Hier habe ich meine Zweifel. An dieser Stelle wird mMn ein dogmatischer Apparat konstruiert, der auf Zirkelschlüsse hindeutet. Da reisst für mich die Strömung ab und es wird diffus.

                    Vielleicht kannst du mir das Geheimnis der Vorherbestimmung erklären, bei der Gott keinen Anteil hat am höllischen Schicksal der Ungläubigen?

                    Eigentlich wäre das ein gesondertes Thema. Andererseits fällt dieser Aspekt für mich unter das Thema „Versuch und Irrtum“.

                    Gott segne uns.
                    Liebe Grüße
                    Harry

                    Antworten
                    • Karl Heinz says:

                      Lieber Harry,

                      Würde Paulus „einer Vorherbestimmung der gläubigen Erstlinge das Wort reden“, würde das im Umkehrschluss heißen, dass seine Vorherbestimmung an genau dem Punkt endet und alles Weitere Elementen des Zufalls überlassen wäre – es sei denn, du glaubst, dass seine Vorherbestimmung die Errettung ausnahmslos aller Menschen aller Zeiten in einer zweiten Stufe beinhaltet, was allerdings weit über das Zeugnis der Bibel hinausgeht.
                      Was du als „Konstruktion eines dogmatischen Apparats“ empfindest, ist vielmehr das Bemühen der reformierten Theologie, genau das zu vermeiden, sondern stattdessen die scheinbar paradoxen Konzepte der Bibel nebeneinander, begrenzend oder besser: ergänzend, stehen zu lassen.
                      Da die Offenbarung, wie wir sie im geschriebenen Wort finden, sich nicht unserer Logik mit ihrem Gesetz der Nonkontradiktion fügt, erleben wir sie, rein „logisch“ betrachtet, als ein „Abreißen der Strömung“ und bisweilen als „diffus“.

                      Inwieweit können wir jedoch wirklich die Aussagen der Bibel beurteilen? Haben wir wirklich eine andere Wahl, als uns, mit Hilfe des Geistes Gottes, ihrer höheren Logik zu beugen?
                      Können wir wirklich einschätzen, was Sünde bedeutet? Neigen wir nicht von Natur aus immer dazu, sie zu verharmlosen und uns zu entschuldigen?
                      Können wir dem entsprechend die Gerechtigkeit Gottes beurteilen und einschätzen, welche Strafe angemessen wäre, und welche dagegen übertrieben und unangemessen?

                      Beugen wir uns nicht der Logik der Bibel, haben wir auch keine Chance, die Größe der Gnade Gottes an seinem Volk zu erkennen.

                      Was die Aussagen Jesu selbst betrifft, stellen wir mit der ewigen Verdammnis im selben Atemzug auch das ewige Leben in Frage. Jesus nennt beide parallel mit demselben griechischen Wort für „ewig“:

                      „… οὗτοι εἰς κόλασιν αἰώνιον, οἱ δὲ δίκαιοι εἰς ζωὴν αἰώνιον.“ (Mt. 25,46)

                    • Harry says:

                      Hmmm….

                      Daraus werde ich nicht schlau.

                      🙂

                    • Karl Heinz says:

                      Langer Rede kurzer Sinn:

                      Ist unsere Logik oder Gottes Offenbarung unser Maßstab für „möglich“ und „unmöglich“?

                      Einige Dinge sind bedingt durch Gottes Natur „unmöglich“, wie, dass Gott lügt, oder dass er Vergebung ohne Genugtuung seiner Gerechtigkeit schenkt.

                      Andere Dinge sind durch Gottes besondere Ratschlüsse und Ziele „unmöglich“.

                      Wieder andere Dinge sind bedingt durch seine ewigen Ordnungen „möglich“ oder „unmöglich“: So ist es unmöglich, zum Glauben ohne die Predigt des Wortes Gottes zu kommen (Römer 10,14-17).

                      Weiteres Beispiel für letztere Kategorie: Es ist „unmöglich, die, so einmal erleuchtet sind und geschmeckt haben die himmlische Gabe und teilhaftig geworden sind des heiligen Geistes und geschmeckt haben das gütige Wort Gottes und die Kräfte der zukünftigen Welt, wo sie abfallen, wiederum zu erneuern zur Buße, als die sich selbst den Sohn Gottes wiederum kreuzigen und für Spott halten.“ (Hebr. 6,4-6).

                      Das heißt nicht, dass es mit Gottes Natur unverträglich, oder für Gott unmöglich wäre, oder dass es nicht gelegentlich vorkommt, sondern dass es für das menschliche Bemühen unmöglich und der Versuch zum Scheitern verurteilt ist, weil keine Zusage oder Verheißung, und keine Gnadenmittel dafür existieren.

                      Ebenso wie unsere Vorfahren im Paradies Gottes (für ihr Verständnis willkürliches und unverständliches) Verbot zu ihrem und unser aller Verhängnis in Frage stellten, kommen auch wir zwangsläufig zu fatal falschen Ergebnissen, wenn wir nicht Gott, den Ursprung aller Möglichkeiten, sondern unseren Verstand zum Maßstab machen.

                    • Harry says:

                      Lieber Karl Heinz,

                      es gibt eine symbiotische Wechselwirkung zwischen Verstand und Heiligem Geist.

                      Lukas 10,27 Er aber antwortete und sprach: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Verstand und deinen Nächsten wie dich selbst.“

                      Wenn ich Gott liebe, dann habe ich meinen ganzen Verstand zu bemühen, um völlig zu erfassen, was die Breite und Länge und Höhe und Tiefe Gottes ist. Darüber stehen und wachen die Gnade und Liebe Gottes.

                      Wenn sich mein Verstand auf menschengemachte Dogmen und Bekenntnisse stützt, dann kann ich mich dabei verirren. Ich kann mich demzufolge auch schon irren, wenn ich Dogmen und Bekenntnisse aufstelle.

                      Insofern kann NIEMAND sagen, er habe bereits alles richtig erfasst. Auch kein Kirchenlehrer.

                      Was allein Maßstab bleibt, ist angewandte praktische Gottes-, Nächsten- und Feindesliebe. Das gilt auch gegenüber sogenannten Ketzern.

                      Die Tatsache, dass Gläubige zu völlig unterschiedlichen Erkenntnissen kommen, kann nicht dazu führen, dass man den einen das rechtgläubige Christsein abspricht, sondern ihnen und ihren „Gegendogmen“ Gehör schenkt, sich intensiv damit beschäftigt, den eigenen Standpunkt zwecks Prüfung verlässt und weitere andere Schlußfolgerungen für möglich hält.

                      „Toleranz ist der Verdacht, dass der Andere Recht hat – Kurt Tucholsky“

                      Liebe Grüße
                      Harry

                    • Karl Heinz says:

                      Lukas 10,37 bestätigt, was ich meinte:

                      Wenn ich Gott nicht nur von ganzem Herzen und ganzer Seele, sondern auch von ganzem Verstand liebe, dann bedeutet mir seine Offenbarung im geschriebenen Wort und seine Gebote und Satzungen so viel, dass ich sie zum alleinigen Maßstab meines Denkens mache.

                      Mit anderen Worten: Ich werde im Zweifel nicht sie, sondern eher meinen Verstand in Frage stellen. Das hat auch was mit Loyalität oder Gehorsam des Denkens zu tun.

                      Die Kirchenväter der frühkirchlichen Konzile waren noch weitgehend unberührt vom Neoaristotelimus Aquins. Für sie war entscheidend: Was offenbart das Wort Gottes bezüglich Themen wie: Gottes Wesen, Dreieinigkeit, die Naturen Christi etc.

                      Deswegen ist es kaum möglich, beispielsweise die Chalcedonense im Namen einer ursprünglichen, „toleranten Geistlichkeit“ in den Wind zu schreiben, ohne sich wieder in die vor-chalcedonischen Irrtümer zu verstricken, oder die Schwerpunkte der protestantischen Reformation in Frage zu stellen, ohne wieder in spätscholastischer Spekulation zu landen.

                      Viele Grüße und Gottes Segen!

                    • Harry says:

                      Lieber Karl Heinz,

                      dieser theologische Wissensmaterialismus befremdet mich. Gleichwohl habe ich mich Jahrzehnte lang damit auseinander setzen müssen aus eigener Betroffenheit heraus.

                      Alle christliche Welt zerstreitet sich permanent darum.

                      Jesus hat z.B. in der Bergpredigt und mit den Liebesgeboten einfache Erläuterungen dazu gegeben, was unumwunden zählt.

                      Jesus hat den theologischen Wust und Überhang bekämpft und alles auf wenige Nenner gebracht. 2000 Jahre Christentum haben jedoch erneut einen unendlichen und unsäglichen Sermon daraus gemacht, den die Christenmenschen und die Anderen anzuerkennen und zu befolgen hätten. Die Geheimnisse Gottes wurden angeblich erkannt und in Form von Dogmen und Bekenntnissen zusätzlich erneut in Stein gemeiselt.

                      Jesus würde mMn heute mit der Peitsche dreinhauen, viele Kirchenlehrer kritisieren und ihre kirchengeschichtlichen Machwerke zerstören.

                      Das Geniale liegt im Einfachen:

                      „Liebe – und tue dann, was du willst“ – Augustinus.

                      Leider jedoch hat sich auch Augustinus exzessiv dem theologischen Wissensmaterialismus hingegeben und in der Folge zum erwachsen eines mächtigen Heeres von Theologen beigetragen..

                      Liebe Grüße
                      Harry

                    • Karl Heinz says:

                      Lieber Harry, zu deinen Aussagen gibt es gibt es ein paar Punkte zu klären:

                      Augustinus in dem Sinne zu zitieren, dass wir (egal wie und wen) lieben und dann tun können, was wir wollen, wird ihm mit Sicherheit nicht gerecht. Das berühmte Zitat kommt ja in zwanzigtausend Variationen daher. Ursprünglich hieß es vermutlich „dilige et quod vis fac!“, was soviel heißt: „Tu was du willst, aber tu es sorgfältig!“ Andere fügen, um oben genannten Missverständnissen vorzubeugen, das Wort Deum ein: „Liebe (Gott) und dann tu, was du willst!“ Was ja insofern Sinn ergibt, weil wir dann, wenn wir Gott lieben, nichts tun würden, was seinem offenbarten Willen entgegen läuft.

                      Wie immer dem auch sei, letzten Endes ist jedes Augustinus-Zitat genau so viel wert, wie es im Einklang mit der Bibel steht.

                      Was deine Auffassung zu Jesus als (ich transponiere deine Aussage mal) „untheologischem Wesen“ betrifft, ist diese Festlegung wiederum eine selbsterfüllende Prophezeiung. Da dieses selbstgewählte „Jesusbild“ zumeist in liberal-bibelkritischem Kontext beheimatet ist, werden folglich Jesusworte, die dem widersprechen (wie „Ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen“, „kein Jota des Gesetzes“ etc.), als spätere gemeindetheologische Zusätze in Frage gestellt und damit ungültig gemacht, nach dem Motto „Was nicht reinpasst, wird rausgeworfen“.

                      Kommen wir zu dem großen Abschnitt über die Liebe als „Erfüllung des Gesetzes“, der sich von Römer 12,9 bis 13-10 erstreckt.

                      Paulus selbst kommt aus der Zunft der Pharisäer, die für ihre elaborierte Kasuistik bekannt war: Der Talmud wurde dicker und dicker, angefüllt mit Fallbeispielen für jede ethische Situation. Ethik war somit kompliziert und normale Leute unüberschaubar. Paulus (wie schon Jesus in der Bergpredigt) führt diese Fülle ethischer Vorschriften auf ihren großen gemeinsamen Nenner, auf ihr übergeordnetes Prinzip zurück: Sie alle entspringen aus der Liebe, sind getragen von der Liebe und definieren, wie Liebe auszusehen hat.

                      Die detaillierte Abhandlung mündet in die Aussage: „Seid niemand nichts schuldig, als dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt. Denn was da gesagt ist: „Du sollst nicht ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis geben; dich soll nichts gelüsten“, und so ein anderes Gebot mehr ist, das wird in diesen Worten zusammengefasst: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ Denn Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.“ (Römer 13,8-10)

                      Alle Gebote, das ganze Gesetz („und so ein anderes Gebot mehr ist“), wird demnach „zusammengefasst“ in dem Liebesgebot.

                      Das wird heute oft übersehen. Nach dem Wort C.S. Lewis‘, dass der Teufel seine Irrtümer immer paarweise sendet, argumentiert Paulus in den Pastoralbriefen, z. B. Galater, auch gegen beide Irrtümer: Die „Gesetzlichen“ und die „Gesetzlosen“. Heute würde er demzufolge den Schwerpunkt auf Konkretisierung dessen legen, was Liebe in ihren verschiedenen Zusammenhängen konkret bedeutet, und was sie nicht bedeutet.

                    • Wolfram says:

                      Der Galaterbrief ist kein Pastoralbrief.

                      Pastoralbriefe nennt man drei Episteln im Neuen Testament, nämlich den Ersten und Zweiten Timotheusbrief sowie den Titusbrief. Die Briefe heißen Pastoralbriefe, weil sie nicht, wie die meisten anderen Paulusbriefe, an ganze Gemeinden geschrieben wurden, sondern an Einzelpersonen (nämlich an Timotheus und Titus) gerichtet sind, die in Gemeinden pastorale Aufgaben hatten.

                      http://de.wikipedia.org/wiki/Pastoralbrief – aber das steht auch noch in vielen anderen Links, die über eine Suche nach dem Stichwort „Pastoralbrief“ schnell gefunden werden können.

                      Ein solcher, nun ja, terminologischer Lapsus könnte darauf hinweisen, daß ihr zwei von verschiedenen Gesetzen, bzw. von verschiedenen Gebräuchen des Gesetzes redet – und weil ihr das Wort „Gesetz“ verschieden füllt, redet ihr konstant aneinander vorbei.
                      Karl-Heinz argumentiert mit Matthäus, Harry mit quasi dem gesamten Rest des NT… liebe Leute, wenn ihr schon altkirchlich-theologisch argumentiert, dann nehmt bitte auch hin, daß solche scheinbaren Widersprüche auszuhalten sind und zum Wesen Gottes gehören. Und daß, wer nur eins festhält und das andere ablehnt, dadurch in die Häresie rutscht!

                      Es wäre mal Aufgabe einer Magisterarbeit, konsequent durchzuarbeiten, an wen sich Jesus richtet mit seiner Bergpredigt und den gelegentlichen anderen Bemerkungen zum „Gesetz“. Aus dem Gedächtnis heraus: er redet das „zum Volk“, also zu Suchenden, aber noch nicht Gläubigen. Die Rede vom Gesetz ist demnach, ebenso wie Johannes‘ des Täufers Predigten, dem 2. Gebrauch des Gesetzes zuzurechnen: dem usus elenchthicus oder usus theologicus. Dem, der die Sündhaftigkeit des unversöhnten Menschen aufdeckt.
                      Karl-Heinz argumentiert mit diesen Abschnitten aber im Sinn des 3. Gebrauchs des Gesetzes, in uso in renatis. Der wiederum ist in sämtlichen Schriften, die sich an Glaubende richten – den gesamten Episteln – nicht nur aufs Doppelgebot der Liebe reduziert, sondern sogar auf das Nächstenliebegebot allein. Da man Liebe aber nicht verordnen kann, sondern sie von Herzen kommen muß, ist das „Liebesgebot“ kein Gesetz mehr. Und somit der 3. Gebrauch des Gesetzes ad absurdum geführt.
                      Der 3. Gebrauch ist m.E. eine Häresie, nämlich der Versuch, genau diese Absurdität auszukehren: Jesus sagt, er hebt das Gesetz nicht auf, aber er hebelt es aus seinem angestammten Sitz und gibt ihm einen ganz anderen Rang. So, daß es nicht mehr zwischen Gott und den Menschen steht, die sich an Christus Jesus hängen. Er ist ein Versuch, das Gesetz neben der reinen Gnade bestehen zu lassen. (Was sagt der Galaterbrief dazu? Entweder – oder!) Das Gesetz aber gehört zum Alten Bund und zur Alten Schöpfung. Mit 2Cor5,14-21 gesprochen, da ist Neuschöpfung, die Glaubenden sind nicht mehr in dieser alten Schöpfung. Sie sind, nach 1Joh, in Gemeinschaft mit Christus und dem Vater – und zwar in der gleichen Wesensgemeinschaft, die sie untereinander haben!
                      Daß wir, in der gefallenen, alten Welt lebend, dieser immer wieder erliegen, führt zu Luthers berühmtem „simul“, meist falsch herum zitiert, denn richtig heißt es „simul peccator et iustus“. Corpus permixtum oder „ungetrennt und ungeschieden“?? Vielleicht eher letzteres. In jedem Fall trifft den peccator die volle Wucht des aufdeckenden Gesetzes – und den iustus die volle Brise der Freiheit Gottes.

                    • Karl Heinz says:

                      Wolfram, das war mir schon beim Abschicken klar, dass Galater kein Pastoralbrief ist 😉 Danke fürs Klarstellen! Der Galaterbrief richtet sich in der Tat gegen beide Irrtümer: Gegen die Gesetzlichkeit und gegen die Gesetzlosigkeit. Der Geist-geleitete, von neuem geborene Mensch ist idealerweise frei vom Gesetz, weil das Gesetz „nicht wider die Frucht des Geistes ist“ (Gal. 5,22-23).

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