Killt das Handy die Kirche? Warum Gemeinden so schwer wachsen 15

Richard Beck stellt im Experimental-Theology-Blog eine Behauptung auf, die einem im ersten Moment kaum mehr als ein müdes Lächeln entlockt (weil wir sie schon so oft gehört und noch nie glaubt haben). Im zweiten Moment aber elektrisiert sie, weil Beck sie einen Tick anders sieht und bestechend begründet.

Die Behauptung lautet: Facebook killt die Kirche. Wobei „Facebook“ hier als Chiffre für alles steht, was mit moderner Kommunikation zu tun hat: Social Networks, E-Mail, aber auch – und das überrascht schon – das Handy.

Die früher oft gehörte Begründung zum negativen Einfluss des Internets („Virtuelle Kontakte vereinsamen“) ist inzwischen reichlich widerlegt. Jeder, der soziale Netzwerke benutzt weiß: Wir verlieren nicht den Kontakt zu unseren „realen Freunden“ und vereinsamen, sondern erleben im Gegenteil eine Intensivierung der bisher latenten oder längst vergangenen Kontakte, ohne dass aktuelle und tiefe Freundschaften leiden.

Aber Beck argumentiert genau damit. Er sagt:

Schon ein Großteil der Kirchgänger in der sogenannten Generation X (also die in den 60ern und 70ern Geborenen) fand ihre Gemeinde eng, richtend und nicht ausreichend relevant für ihr Leben. Wie wahrscheinlich auch viele Generationen junger Leute zuvor. Die Gemeinde hat sich in all diesen Jahren bis heute nicht groß geändert (allenfalls zum Besseren). Trotzdem scheint es heute schwerer denn je, Jugendliche und zunehmend auch Erwachsene für Gemeinde zu begeistern.

Die Gesellschaft ist „mobil“ geworden

Wenn der Wandel nicht in den Gemeinden geschehen ist, dann vielleicht außerhalb der Kirchenmauern? Sicher ist: Was die „Millenials“ oder auch „Generation Y“, von ihren Eltern grundlegend unterscheidet ist die Nutzung sozialer Netzwerke und mobiler Kommunikation.

Als wir, die GenX, noch Teenager waren, hatten wir noch keine Handys und kein Internet. Und deshalb hatte die Gemeinde für unsere Generation unter anderem eine ganz bestimmte (lebens)wichtige Funktion: Schule, Sportvereine und eben Gemeinden waren die sozialen Treffpunkte, an denen wir unsere Freunde treffen, uns mit ihnen austauschen und uns zu Aktionen verabreden konnten. Genau wie für unsere Eltern und Urgroßeltern und viele Generationen vor ihnen. Gemeinde war – neben geistlicher Heimat und Ort des Glaubenswachstums – schlicht der Knotenpunkt unseres sozialen Netzes.

Die neuen technischen Möglichkeiten des Internets haben hier einen tiefen Einschnitt vorgenommen, der erst einmal weitgehend unbemerkt geblieben ist. Erst langsam kristallisiert sich die Tragweite dieser Verschiebung heraus.

Denn SMS und Facebook bieten uns plötzlich ebenfalls eine Möglichkeit, uns mit unseren Freunden zu vernetzen, uns mit ihnen auszutauschen und uns zu verabreden – ohne sonntags um 8 Uhr aufzustehen.

Gemeinde hat als Kommunikationsplattform ausgedient

Auch wenn das trivial klingt, hat es doch eine enorme Auswirkung. Denn die Gemeinde (aka. Anwesenheit am Sonntag) wurde so binnen weniger Jahre in ihrer sozialisierenden Rolle einfach überflüssig.

Das hat deshalb niemand so richtig gemerkt, weil wir alle Frösche sind, die nicht ins kochende Wasser geworfen, sondern ganz langsam mit erhitzt wurden. Wir schreiben alle SMS, nutzen Facebook und schreiben Mails. Und daran ist nichts Böses.

Aber SMS und Facebook übernehmen immer mehr eine bisher tragende Funktion für die Sozialstruktur von Gemeinden.

Und decken gleichzeitig eine lang verborgene, weil für alle nützliche Abhängigkeit von dieser Funktion auf: Gemeinde funktioniert, wenn Gemeinde Gemeinschaft ist. Und jetzt stehen wir plötzlich vor einen riesigen Hohlraum und sehen viele Gemeinden stagnieren oder in sich zusammen fallen. Die Gesellschaft ist mobil geworden – nur wir hocken immer noch in unseren Gemeindehäusern.

Die Logik ist bestechend: Wenn früher Jugend- und Gemeindegruppen oft Freundeskreise waren, die eng an die Gemeinde als zentralen Kommunikations-Punkt gekoppelt waren (und in der Folge auch viel geistliches Programm lief), dann können solche Freundeskreise heute ohne Gemeinde genauso unkompliziert (oder gar noch einfacher und schneller) miteinander in Kontakt treten. Wer dann nicht aus anderen Gründen fest in der Gemeinde verwurzelt ist, wird sonntags immer häufiger lieber im Bett bleiben.

Natürlich hatte auch die GenX schon Telefon. Aber jeder, der einmal eine Telefonkette für einen Kinobesuch gestartet hat, der weiß um Schweiß und Mühen solcher Aktionen. Heute fragen wir uns ständig: Wie haben wir so was früher eigentlich gemacht? Die SMS, die mit einem Tastendruck an viele Leute gleichzeitig verschickt werden konnte, war ja schon ein riesiger Fortschritt. Heute dagegen reicht ein Facebookeintrag und alle meine Freunde bekommen ihn sofort – aufs Handy, auf den PC und bald aufs IPad beim eBook lesen

Wer ist Gemeinde?

Diese Theorie erklärt einiges. Zum Beispiel, dass „damals“, als wir Teenager und Jugendliche waren, in vielen Gemeinden auch die Jugendarbeit ihre Hochzeit hatte. In meiner Gemeinde zum Beispiel waren jede Woche (und häufig darüber hinaus) hundert Jugendliche –freiwillig! Die zwei Dutzend, die wir heute in der Kirche haben, kommen wegen der Konfirmation und sind danach oft auch schnell wieder verschwunden. Und das liegt nicht am fehlenden Engagement der Mitarbeiter.

Interessanterweise fällt das Ende dieser Ära mit dem aufkommenden Handy-Boom zusammen. Gleichzeitig gab es in vielen Gemeinden durch eine studienbedingte Zerstreuung des Leiterteams in alle Himmelsrichtungen einen Generationswechsel, der so mancher Jugendarbeit endgültig den Garaus gemacht hat. Denn die nachfolgende Generation hatte die Gemeinde dann oft schon nicht mehr als Kommunikationsplattform nötig.

Die Theorie erklärt vielleicht auch ansatzweise, warum Gemeinden sich heute so schwer tun, Jugendliche (und zunehmend junge Erwachsene und junge Familien) zu halten. Wenn Gemeinde im Wettbewerb mit anderen Mitteln der sozialen Kontaktpflege der Verlierer ist, wir aber immer noch auf die Anwesenheit am Sonntag als Merkmal des Grades der Gemeindezugehörigkeit setzen, dann brauchen wir uns nicht zu wundern, dass wir als Gemeinden diesbezüglich an der Realität vorbei leben.

In diesem Sinne killen Handy und Facebook tatsächlich die Gemeinde. Genauer gesagt, die Gemeinde in ihrer privilegierten Rolle als Forum sozialer Kontaktpflege. So ist das manchmal mit Privilegien – man sollte sich nicht zu sehr darauf verlassen.

Wie weiter?

Freilich verbietet sich – sollte diese Theorie stimmen – ein „einfach weiter so“ von selbst. Dann wären wir wie eine Plattenfirma, die hartnäckig weiterhin nur Schallplatten verkauft, obwohl alle Welt längst MP3s hört.

Eine Lösung habe ich zwar auch nicht. Aber mir fallen einige Punkte ein, an denen wir unsere Kreativität ansetzen könnten. Die möchte ich gerne als Diskussionsanregung in die Runde werfen:

  1. Wenn die Anwesenheit am Sonntag nicht mehr nötig ist, um „dazu zu gehören“, dann sollten wir herausfinden, wie wir unsere Definition von Kerngemeinde neu fassen können. Wenn wir Kerngemeinde weiter als diejenigen definieren, die regelmäßig kommen, dann verlieren wir automatisch die, die das nicht tun – obwohl sie sich vielleicht eigentlich zum Insiderkreis zählen würden. Bekommen sie aber das Signal: „Biste nicht da, biste nicht dabei“, dann ist das Ergebnis vorprogrammiert.Das läuft freilich einem verbreiteten Phänomen in Gemeinden entgegen: Der Tendenz zum Kuschelclub. Denn eine neue Definition von Zugehörigkeit verlangt von uns auch die Änderung von Verhaltensweisen und Empfindungen, die über Generationen eingeübt worden sind.
  2. Wenn wir Social Networks und mobile Kommunikation ernst nehmen, dann sollten wir die Stärken dieser Angebote und Techniken für die Gemeinde nutzen – wie auch immer das konkret aussehen könnte. Wenn unsere Gesellschaft mobiler wird, müssen auch wir unsere internen Kommunikationsnetze ausweiten. Wir sollten neue Wege finden, um eine vitale Bindung zur Gemeinde für alle zu ermöglichen – für Kuschelclubber genauso wie für die Mitglieder der mobilen Gesellschaft.
  3. Gemeindliche Angebote, die hauptsächlich auf Gemeinschaft und/oder auf Wissen ausgerichtet sind, werden zunehmen unattraktiv – auch für Christen. Ich brauche keine Bibelstunde mehr zu besuchen, um mehr über den Epheserbrief zu erfahren. Ich gucke ins Internet, höre mir Predigten im Internet an oder kaufe mir eine Zeitschrift, in der das Thema anschaulich und auf den Punkt erklärt wird. Dazu muss ich nicht vor die Tür in den Regen. Und ich brauche keine Jugendstunde mehr, um mich mit meinen Freunden zum Kino zu verabreden oder zu wissen, was bei ihnen läuft. Wir sind doch schon vor einem Treffen am Abend besser über den Tag des anderen informiert als wir es vor Facebook überhaupt gewesen wären.Unsere Gemeindeangebote sollten stattdessen die Bedürfnisse der Menschen ansprechen, die sich nicht (inzwischen) auch auf anderen Wegen stillen lassen. Weniger Kopf, mehr Herz, wäre ein Ansatz. Weniger Wissen, mehr Erleben. Weniger Oberflächlichkeit, mehr relevante Tiefe. Viele (wachsende) Gemeinden machen das schon so. Aber vielleicht wissen wir jetzt wenigstens, warum.

Facebook killt die Kirche – stimmt das? Und wenn ja: Ist es erschreckend? Zumindest letzteres empfinde ich nicht so. Es kommt lediglich auf unsere Reaktion an. Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass wir heute unsere Handys befragen, wer morgen predigt und was unsere Freundin beim Praktikum in Kalkutta heute erlebt hat? Die digitale Vernetzung ist längst da. Die Herausforderung wird sein, wie wir sie kreativ nutzen – zum Wohle der Gemeinde Jesu. Es wäre nicht das erste Mal in der Kirchengeschichte, dass Gott Krisen in der Gemeinde nutzt, um etwas wirklich Neues zu schaffen.

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Kommentare

15 Kommentare auf "Killt das Handy die Kirche? Warum Gemeinden so schwer wachsen"

  1. wanen says:

    Als äußerst unreligiöser, wenn auch nicht ungläubiger Mensch, habe ich diesen Beitrag mit großem Interesse verfolgt und bin nicht nur über die Erfassung der Problematik erstaunt, sondern besonders über die konstruktiven Änderungs- bzw. Umgangs-Vorschläge. Bleibt zu wünschen übrig, und ich sehe angesichts der vielen engagierten Kirchenmitglieder jener GenerationX eigentlich nur das Problem des Einarbeitens in die neuen Kommunikationstechniken, dass eine vernünftige und verantwortungsbewusste Umsetzung auch stattfindet.

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  2. nathiard says:

    Man sollte nicht nur das Negative an Facebook und anderem Social Media sehen. Man erreicht viel mehr Menschen. Eine Homepage kann von zig Tausend erreicht werden. Vielleicht muss der Begriff Gemeinde neu definiert werden.

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    • Volker says:

      Nicht Facebook & Social Networks haben die Kirche ins Nirvana gedrängt – es war die Kirche selbst, die sich schon vor der Erfindung des Internets, soziale Räume außerhalb der Kultur geschaffen hat.

      Jetzt entdecken wir das, und glauben wir haben den Anschluss an Web 2.0 verloren, wobei wir schon vor einigen Jahrzenten als Kirche den Anschluss an die Gesellschaft verloren haben.

      Die meisten Kirchen haben doch Webpräsenz, Predigten zum Downloaden und Gästebücher, aber keiner interessiert sich dafür – da Gemeinde an sich keine Rolle in der Gesellschaft mehr spielt.

      Erstaunlich ist doch auch, dass trotz FB & Handys & Social Networks, dennoch die meisten in Sportvereinen und am gesellschaftlichen Leben normal wie früher teilnehmen. Die Zukunftsvisionen, dass jeder vor dem PC sitzt und nicht mehr vor die Tür geht, ist glaube ich schon längst überholt.

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      • Rolf Krüger says:

        Hallo Volker,

        Die Zukunftsvisionen, dass jeder vor dem PC sitzt und nicht mehr vor die Tür geht, ist glaube ich schon längst überholt.

        Ja, richtig. Aber hab ich nicht genau das betont? 😀

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        • Volker says:

          achso! 🙂 Ich dachte das war deine Intention mit dem Satz „Ich gucke ins Internet, höre mir Predigten im Internet an oder kaufe mir eine Zeitschrift, in der das Thema anschaulich und auf den Punkt erklärt wird. Dazu muss ich nicht vor die Tür in den Regen.“ Kann auch sein, dass ich es falsch verstanden habe.

          Manchmal sind Argumentationen bei dem Thema so komplex – dass ich es auch missverstehe…

          Was ich glaube: Manchmal überbewerten wir in unseren Gesellschaftsanalysen Web 2.0 & handys im Leben der Jugend. Aber es kann auch sein, dass ich da falsch liege und die Lage völlig unterschätze…

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  3. theomix says:

    Koinzidenz oder Kausalität? Die Generation X kannte auch keine Ganztagsschule noch G 8. Auch das nagt an der Jugend- und schon an der Konfirmandenarbeit.

    Darüber hinaus finde ich die Analyse beachtenswert. (Die Sache ist mir zu komplex, um einfach zuzustimmen oder abzulehnen.)
    Ein paar Gedanken:
    – In den meisten Gemeinden kamen schon lange die Menschen zwischen 20 und 55 abhanden. Das wird jetzt wahrscheinlich verstärkt.
    – Bis 7 oder 8 sind die Genüsse des Social Web noch nicht so verbreitet. Die Arbeit mit Kindern bekommt ein größeres Gewicht.
    – Schwer einzuschätzen ist das Verhalten der X- und Y-Menschen im Alter. Bisher kamen die Senioren wieder „zurück“, weil das Leben ruhiger geworden ist. Wird das so bleiben, weil das Leben im Web nicht alles ist?
    -Arbeiten an der Kommunikation der Gemeinde mit Web 2.0 – darin sehe ich auch eine wichtige Aufgabe. Auch wenn ich von der eigenen Gemeinde weiß, wie schwer das ist, wenn keine IT-Spezialisten zum Kompetenzteam gehören…
    – „Kerngemeinde“ ist das ambivalente Erbe des Pietismus. Auf der einen Seite braucht es eine Kern von Leuten, die mitarbeiten. Auf der anderen Seite kann dieser Kern nur noch auf sich selbst bezogen sein und die eigenen Werte zum Maßstab machen. Ich möchte eher fragen, gibt es Modelle, die ohne eine „Kerngemeinde“ im klassischen Sinn auskommt?
    – Bei den Angeboten der Gemeinde „weniger Kopf, mehr Herz“. Da stimme ich zu. Obwohl der Kopf ja auch wichtig ist. Aber vielleicht sollte er auch in Online-Angebote investieren…

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  4. Sarah says:

    Ich finde es durchaus sinnvoll, dass Menschen sich den Rat und den Beistand, den sie früher und eigentlich auch heute noch, in der Gemeinde bekamen, heute schneller, einfacher und meist anonymer über das Internet holen. Dort ist es auch einfacher Gleichgesinnte zu finden. Ich finde den Gedanken, dass Facebook die Kirche killt, durchaus sinnvoll.

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    • Rolf Krüger says:

      Hi Sarah,

      Becks Gedanke war aber ja gerade, dass Facebook & Co keine Anonymität bewirken, sondern das Gegenteil – und es gerade deshalb einen Einfluss auf die Rolle von Gemeinde hat.

      LG,
      Rolf

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  5. hia says:

    „In diesem Sinne killen Handy und Facebook tatsächlich die Gemeinde. Genauer gesagt, die Gemeinde in ihrer privilegierten Rolle als Forum sozialer Kontaktpflege.“
    ____________________________
    Handy und Facebook schwächen die Gemeinde als soziale Kontaktmöglichkeit etwas ab (zugleich sind beide aber wunderbare Möglichkeiten, um Nichtchristen mit dem Evangelium zu erreichen.). In meinen Augen hat die Gemeinde aber eine wesentlich größere Funktion. Wo sonst soll eine Person geistlich wachsen? Klar, man kann das allein machen. Aber „wo 2 oder 3 in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen“. Schon mal erlebt? Da braucht man keine Events oder sonstige Aktionen (inna church) um künstlich Gänsehaut zu erzeugen.
    Wenn Gott in der Kirche ist, dann ist die Kirche voll…

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    • Wolfram says:

      In mein Gartenhaus – alle anderen sagen dazu Kirche – passen ohne weiteres 250 Leute. Die hab ich da zuletzt bei Beerdigungen und einer Hochzeit gesehen, sonst sind es zwischen 10 und 30.
      „Wo zwei oder drei in meinem Namen beisammen sind…“ – das ist in jedem Sonntagsgottesdienst der Fall, soweit das für mich als zuständigen Pastor erkennbar ist. (Hinter die Stirn sieht nur Gott.) Dennoch bleibt es eine kleine Gruppe.
      Soll ich denen jetzt sagen, „wenn Gott in der Kirche ist, dann ist die Kirche voll“? Das läßt nämlich nur zwei Möglichkeiten zu:
      – entweder ist die Kirche nicht voll mit 30 Menschen, und das heißt dann: Gott ist nicht da. Dann brauchen die 30 aber auch nicht zu kommen.
      – oder aber Gott nimmt die 220 anderen Plätze ein, aber dann dürfte er auch was in die Kollekte tun. Und wie kommt er dann in unsere andere Gottesdienststätte hinein, die nur 50 Menschen Platz bietet? Die ist ihm doch dann viel zu klein.

      Nein, mit so plakativen Sprüchen kann und will ich nichts anfangen. Kirche muß nicht das Mega-Event sein, ganz im Gegenteil. Das Säuseln des Heiligen Geistes ist schwer zu vernehmen, wenn um dich rum 2000 Leute stehen. Und mit solchen Sprüchen die wenigen, die treu allwöchentlich das Wort hören kommen, verschrecken – nicht mit mir.

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  6. Das Internet: Sterbehilfe für Religionen « Skydaddy's Blog says:

    […] passt noch ein Artikel, den ich gestern gelesen habe: Killt das Handy die Kirche? Warum Gemeinden so schwer wachsen. Darin geht es darum, dass kirchliche Gemeinden ihre soziale Vernetzungsfunktion verlieren, da […]

    Antworten
  7. Bernhard says:

    Hallo zusammen,

    nicht nur das knüpfen von Kontakten wir vereinfacht sondern auch das Ausgrenzen von Personen.
    Denn nun ist es einfacher und bequemer hinter dem Rücken von Personen zu handeln.

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  8. Viktor Peters says:

    Sehr interessante Gedanken, hat mich auch beschäfitgt als ich mich daran gemacht habe Webseiten zu erstellen.
    Vielen dank

    Antworten
  9. jjh says:

    Ich denke vielmehr, dass nicht das Anbrechen des endgültigen Onlinezeitalters die Ursache für die entleerung der Kirchen ist, sondern, dass die Krichen versuch(t)en sich auf soziale Kontakte und Debatten zu gründen.
    Dort wo die Kirche das Evangelium des Kreuzes verkündet – dort wächst sie.
    Wo es nicht nur um Beziehungen untereinander geht, sondern um eine gemeinsame Beziehung zum Herrn – dort wächst die Gemeinde.

    Ob Facebook und Blogs positiv oder negativ sind – aus allgemein gesellschaftlicher Sicht – dazu möchte ich nichts sage, das kann ich nciht beurteilen.
    Und doch sind z.B. Online-Predigten nicht ein Faktor, der die Besucherzahlen der Gemeinden verringert – sondern (eher im Gegenteil) vergrößert.

    Gemeinde ist ja eben nciht nur das Zusammentreffen und Singen und Zuhören, sondern das Zusammentreffen im Geist.
    „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“
    Niemand „versammelt“ sich im Internet [- wie der Artikel das auch darstellt: Das Internet bringt dazu, dass auch im realen Leben die Beziehungen tiefergehender werden (können).]
    Wenn aber Gott in der Versammlung anwesend ist – und wir Gottes Gegenwart suchen, sein Wort und die Erfüllung mit seinem Geist, die Wahrheit und das Erleben des Evangeliums -, dann werden wir die Gottesdienste nicht um Facebook willen versäumen (, sondern villeicht sogar Facebook wegen besuchen).

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  10. Arne Bachmann says:

    Stimme Becks Analyse im Wesentlichen zu. Aber warne davor zu meinen, es geht immer nur in eine Richtung. Meines Erachtens geht die Pendelbewegung längst wieder in die andere Richtung. Es gibt heute glaube ich sogar bessere Chancen für so etwas wie Gemeinschaftlichkeit. Nach dem Gottesdienst Essen kochen mit Leuten, die außerhalb meiner Fitler Bubble sind, Daniel Hufeisens Projekt in Berlin, wo Menschen 45 Minuten jeden Mittwoch mit der UBahn fahren, damit sie einmal der Woche nicht allein Abendessen.
    Dein Beispiel mit den Platten sollte doch stutzig machen: denn Vinyl ist ein absoluter Wachstumsmarkt! Der einzige Tonträger, der wächst – seit 2010! Zu jeder Entwicklung die passende Gegenentwicklung!
    Der Religionssoziologe Detlev Pollack warnt die Kirchen davor, weiter auf das Pferd der Individualisierung zu setzen. Zum einen, weil sie „out ist“: Andreas Reckwitz spricht heute von Singularisierung; während Individualisierung vom Gegensatz „Individuum vs. Masse“ lebt und der Blick der anderen (Sozialkontrolle) eher gefürchtet wird, ist Singularisierung der Versuch sein Leben als einmalig darzustellen VOR dem Blick der anderen. Und somit: als Teil von Gruppen, deren Blick auf das eigene Leben man ernst nimmt.
    Zum zweiten würde ich nicht auf Individualisierung setzen, weil dort, wo Kirchen „funktionieren“ das fast immer mit guten, unerwarteten Begegnungen und sozialen Kontakten zu tun hat. Den Glauben lernt man auch nur von anderen (im Guten wie im Schlechten) und er stellt einen vor die Zumutung mit Menschen auszukommen, die man sich gerade nicht ausgesucht hätte. Damit ist Kirche ein Ort, der alles andere ist als Heimat. Sondern Versammlung unperfekter Menschen, die nichts gemein haben, außer, dass sie von ihrem Herrn zusammengewürfelt worden und die vielleicht einmal in der Woche sich nicht voreinander zurechtzupfen müssen, um zu zeigen, wie sie „das gute Leben“ führen, sondern die gerade dadurch verbunden sind, dass sie wissen, wie weit weg „vom guten Leben“ wir alle sind.

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