Wort Gottes (Was ist eigentlich..?)

Nächster Teil unserer Serie „Was ist eigentlich…?“. Es geht darum, die am schwierigsten zu füllenden frommen Begriffe auf kurze und prägnante Weise zu erklären. Begriffe, mit denen Nichtchristen am wenigsten anzufangen wissen oder die sie am ehesten völlig falsch verstehen. Dichte Sprache, keine langen Argumentationen, sondern den Kern des Begriffs in wenigen Sätzen auf den Punkt bringen. Karteikartenkompatibel. Und auch für Menschen verstehbar, die Glauben noch nicht einmal aus dem Konfiunterricht kennen. Die Texte sollen dann bei Jesus.de als kleines Nachschlagewerk veröffentlicht werden.

Ich freue mich über eure Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge. Hinweise hier.

Wenn ein Christ vom „Wort Gottes“ spricht, meint er normalerweise die Bibel oder einzelne Bibelverse. In den Texten der Bibel offenbart sich Gott uns Menschen – durch direkte Worte aber auch schlicht durch die Art, wie kreativ und liebevoll er unsere Welt erschaffen hat. Meistens aber durch seine Geschichte mit einzelnen Menschen. Über die gesamte Bibel entsteht so aus vielen Bruchstücken ein Mosaik, in dem wir das Wesen Gottes erahnen können.

Da die Bücher der Bibel aber erst nach und nach über viele Jahrhunderte entstanden sind und die berichteten Ereignisse oft schon lange her waren, meint der Begriff, wenn er in der Bibel selbst steht, meist etwas anderes:

Im ersten Teil der Bibel, dem Alten Testament, meint „Wort Gottes“ so gut wie immer eine direkte Offenbarung an einen Menschen. Wie das genau stattgefunden hat, ist nicht genau überliefert und war vermutlich jedes Mal etwas anders. Es scheint aber so, als hätten einige Menschen tatsächlich einen akustischen Eindruck wahrgenommen, der für sie nicht menschlich erklärbar war. Oft kam geradezu ein Gespräch zustande. Gott redete mit ihnen im wahrsten und menschlichsten Sinne des Wortes.

Später, als es die Tora (die fünf Bücher Mose) und die Prophetenbücher als verschriftlichte Texte gab, verschob sich die Benutzung langsam und bezog sich dann immer öfter auf diese für die Juden heiligen Texte. Sie blieb aber meistens auf bestimmte überlieferte Äußerungen Gottes bezogen.

Im zweiten Teil der Bibel, dem Neuen Testament, deutet der Autor des Johannesevangeliums den Begriff radikal um. Für ihn ist Jesus selbst das Wort Gottes, quasi die neue Sprache Gottes, mit der er nun mit den Menschen kommuniziert. Nicht mehr mit Worten, sondern indem er – wie Christen überzeugt sind – selbst in der Gestalt von Jesus Mensch geworden ist und nun die Botschaft selber lebte – die Botschaft der Befreiung von Bindungen, der erlittenen Demütigung durch den Tod am Kreuz als Konsequenz von Egoismus, Machtgier und Hartherzigkeit der Menschen. Und der Hoffnung, dass mit dem Tod nicht alles zu Ende ist, weil Jesus – auch davon sind Christen überzeugt – nach drei Tagen wieder vom Tod auferstanden ist (das feiern wir an Ostern).

Zum Weiterlesen in der Bibel: Brief an die Hebräer, Kapitel 1, Verse 1-2

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