Obama: In welche Gemeinde geht ein Präsident?

So ein Präsident hat sich mit vielen verschiedenen Fragen herumzuschlagen, die uns Normalbürger meist nur am Stammtisch bewegen: Klimawandel, Nationale Sicherheit, Finanzkrise. Alles Dinge, zu denen jeder eine Meinung hat, aber irgendwie auch jeder froh ist, dass sich die eigene Entscheidungsbefugnis in der Wahl des Autoantriebs oder des richtigen Mülleimers erschöpft.

Doch die wirklich kniffeligen Fragen sind ja eigentlich ganz anderer Natur. Allein die Entscheidung, welchen Hund sich die Obama-Töchter zulegen sollen motiviert tausende Amerikaner zu eMails ans Weiße Haus. Und nicht minder brisant ist die Wahl der richtigen Gemeinde für den sonntäglichen Gottesdienstbesuch der „ersten Familie“.

Deswegen fängt Paul Strand von CBN schon mal an zu philosophieren, welche Washingtoner Gemeinde für den neuen  „Präsidenten des Wandels“ denn wirklich angemessen wäre.

Erste Wahl für viele Staatschefs war von je her die  Saint John’s Episcopal Kirche. Ihr grösstes Pfund: Sie liegt nur ein paar Gehminuten vom Weißen Haus entfernt und es gibt sogar einen Platz, der extra für den Präsidenten reserviert ist: Es ist die Nummer 54.

Aber bei einem Präsidenten, der so anders ist als die meisten vor ihm, sind Weg und reservierter Platz (wie albern!) natürlich nicht das ausschlaggebende Argument.

Mit der Wahl der Gemeinde setzt Obama vielmehr ein politisches Signal. Wählt er eine eher konservative oder eine liberale Gemeinde, wählt er eine mit afro-amerikanischem Schwerpunkt oder eine, die eher von Weißen geprägt ist? Egal was er tut – seine Entscheidung wird man eingehend anayliseren und kommentieren.

Unterdessen interessieren sich die Gemeinden und ihre Besucher sehr für den prominenten Gast: Ein Mitglied der Metropolitan African Methodist Church konstatiert gegenüber CBN, Obama sollte doch möglichst eine afro-amerikanische Gemeinde wählen. Ein Besucher der Foundry United Methodist Church denkt dagegen, der liberale Obama sei bei seiner Gemeinde gut aufgehoben, heiße die doch alle Menschen willkommen, egal ob schwul oder hetersoexuell, schwarz oder weiß.

Und eine Passantin in Washington sagt dem Reporter: „Der Sonntag ist ein so besonderer Tag in Amerika, deshalb wäre es ein echtes Zeugnis, eine United Methodist Church zu besuchen. Denn die sind multi-kulturelle und vereinen Menschen im Gebet.“

Aber vielleicht ist das ausschlaggebende Argument am Ende die Qualität der Sonntagsschule. Immerhin hat Obama zwei Töchter, die in den Genuß einer guten Glaubensvermittlung kommen sollen.

Nachdem Obama im Wahlkampf fast über seinen ehemaligen, etwas abgedrehten Pastor Jeremia Wright gestolpert wäre wird er sich diese Frage gut überlegen. Und wahrscheinlich wird er am Ende einfach nur das machen, was seine Berater vorschlagen.

Ich merke: Auch bei solchen Fragen bin ich froh, nur einfacher Bürger zu sein. 🙂

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